Venezuela
Ex-Generalstaatsanwältin wirft Maduro Korruption vor

Lange galt Luisa Ortega als linientreue Funktionärin der venezolanischen Regierung. Doch sie wurde abgesetzt, nachdem sie Maduro autoritäre Tendenzen vorgeworfen hatte. Nach ihrer Flucht verschärft sie ihre Vorwürfe.
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BrasiliaVenezuelas frühere Staatsanwältin Luisa Ortega hat schwere Korruptionsvorwürfe gegen Präsident Nicolás Maduro erhoben. Beweise werde sie den Behörden anderer Länder übergeben, sagte Ortega am Mittwoch während eines Treffens mit Vertretern regionaler Staatsanwaltschaften in Brasilia. Sie bezichtige auch weitere ranghohe Sozialisten der Korruption.

Maduros Regierung verletzte die Verfassung und das Gesetz, um sich selbst zu schützen, so Ortega. Sie habe Beweise für Verbindungen von Maduro und anderen Amtsträgern zum Bestechungsskandal um den brasilianischen Konzern Odebrecht und andere Firmen. Ein Verbündeter Maduros, Diosdado Cabello, habe rund 100 Millionen Dollar von Odebrecht erhalten, sagte Ortega.

Cabello erklärte am späten Mittwochabend, Ortega wolle mit ihren Vorwürfen nur von Ermittlungen wegen Korruption gegen sich und ihren Ehemann ablenken. Bau- und Mischkonzern Odebrecht teilte in einer Erklärung mit, Ortegas Aussagen seien nicht wahr.

Ortega war vergangene Woche aus Angst vor Verfolgung per Boot aus ihrem Heimatland geflüchtet. Anfang August war sie von der neuen Verfassungsgebenden Versammlung abgesetzt worden. Sie galt lange als linientreue Funktionärin, in den vergangenen Monaten brach sie aber mit Maduro und warf ihm autoritäre Tendenzen vor. Zuletzt hatte sie offen vor der Errichtung einer Diktatur in Venezuela gewarnt.

Die venezolanische Regierung wehrte sich und warf Ortega schwere moralische und ethische Verfehlungen vor. Ihr Nachfolger Tarek William Saab sagte, Ortegas Vorwürfen mangele es an Validität. Sie sei wegen ihrer eigenen Verfehlungen als Generalstaatsanwältin abgesetzt worden.

Ende Juli wurde im Land mit den größten Ölreserven eine umstrittene Verfassungsgebende Versammlung gewählt. Die Abstimmung war von Betrugsvorwürfen überschattet. Als eine seiner ersten Handlungen entmachtete das neue Gremium das von der Opposition kontrollierte Parlament.

US-Vizepräsident Mike Pence versprach bei einer Rede vor Venezolanern in Florida, dass sich die USA für freie Wahlen in Venezuela einsetzen würden. Pence sprach in der Stadt Doral vor rund 300 Exil-Venezolanern. Das Publikum rief „Freiheit! Freiheit!“ und jubelte jedes Mal, wenn Pence auf das Interesse von US-Präsident Donald Trump für das Land zu sprechen kam. Pence nannte die Regierung Maduros eine Diktatur und kündigte weitere Sanktionen an.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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