Vereinbarung mit der Wirtschaft
Paris setzt Preissenkung für Verbraucher durch

Die französische Regierung hat gestern Nacht, nach Drohungen mit einer gesetzlichen Regelung, bei Verhandlungen mit Vertretern der Wirtschaft einer erste Vereinbarung über eine Senkung der Verbraucherpreise durchgesetzt.

HB PARIS. Gegen Mitternacht

sagten Vertreter großer Supermarktketten und Markenhersteller zu, die Preise im September um zwei Prozent zu senken. Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy will eine schrittweise Verbilligung der Markenartikel um fünf Prozent bis Mitte 2005 durchsetzen.

An dem kurzfristig einberufenen Treffen mit Sarkozy nahmen Vertreter von Handelskonzernen wie Carrefour, Leclerc und Intermarché sowie der Konsumgüterbranche wie L'Oréal und Procter & Gamble teil. Zuvor hatte Sarkozy im Parlament erklärt, wenn die Wirtschaft sich nicht von Preissenkungen überzeugen lasse, werde es „Zeit, neue gesetzliche Regeln zu fassen“. Die Gespräche sollen in größerem Rahmen weitergehen.

Als Zugeständnis an den Handel will Sarkozy den Supermärkten erlauben, ihre rechtlich beschränkte Verkaufsfläche zu erweitern, sofern auf der neuen Fläche nur Waren mittelständischer Anbieter angeboten werden. Handel und Hersteller sollen die Preissenkungen gemeinsam schultern. Angesichts eines Rückgangs der Konsumnachfrage im Mai um acht Prozent und einer Kundenwanderung zu Billigketten wie Lidl sprach sich auch der Chef der Supermarktkette Leclerc, Michel-Edouard Leclerc, für die Senkung psychologisch wichtiger Warenpreise aus, um die Verbraucher zu höheren Ausgaben zu bewegen.

Dafür wird faktisch ein Gesetz aufgeweicht, das den Herstellern vorschreibt, mittelständischen Händlern die gleichen Konditionen einzuräumen wie Großkonzernen. Die Hersteller unterlaufen das Verbot von Mengenrabatten bereits, indem sie Handelsketten Geld für die besondere Bewerbung ihrer Produkte zahlen. Diese „Nachmarge“ darf nicht an die Kunden weitergegeben werden, damit der Mittelstand nicht unter Preisdruck gerät. Die von Sarkozy gewollten Preissenkungen sollen nun aus dieser Nachmarge finanziert werden.

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