Vergeltungsschlag
Eskalation im Gaza-Streifen

Im Nahen Osten ist eine neue Runde blutiger Gewalt eröffnet worden. Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen kamen am Samstag nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde mindestes 155 Menschen ums Leben.

HB GAZA. Israel hat bei dem verheerendsten Angriff auf Palästinenser seit Gründung des jüdischen Staates vor 60 Jahren am Samstag mindestens 205 Menschen im Gazastreifen getötet und weitere 700 verletzt. Die Armee setzte Kampfjets und Hubschrauber ein, Polizeistationen und andere Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas wurden zerstört. Der Angriff war eine angekündigte Reaktion auf den seit Tagen anhaltenden Beschuss israelischer Städte und Dörfer durch palästinensische Extremisten aus dem Gazastreifen heraus. Hamas-Kämpfer schossen am Samstag erneut Raketen auf Israels Süden und töteten einen Einwohner der Stadt Netiwot. Israels Armee erklärte, ihre Aktion habe „terroristischer Infrastruktur“ gegolten. Sollte es erforderlich sein, würden die Aktionen ausgedehnt und intensiviert.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ein „sofortiges Ende aller Gewalt“. Er verurteile den „exzessiven Waffeneinsatz“ Israels und die Raketenangriffe der Palästinenser, hieß es in einer Erklärung. Ban teilte weiter mit, er habe mit zahlreichen Politikern - darunter dem Nahost-Quartett aus USA, Vereinten Nationen, Europäischer Union und Russland - Kontakt aufgenommen, um ein baldiges Ende der Gewalt zu erreichen. Die Zahl der Opfer wurde am Samstag ständig nach oben korrigiert. Am Abend sprachen Vertreter der palästinensischen Gesundheitsbehörden dann von 205 Toten. Das ist die höchste Zahl toter Palästinenser, die es jemals seit Gründung Israels 1948 binnen eines Tages in dem Konflikt gegeben hat. Die Hamas ging von mindestens 100 Toten unter ihren Sicherheitskräften aus. Zudem seien etwa 15 Frauen und einige Kinder ums Leben gekommen.

Israel hatte mit den Angriffen am Vormittag begonnen. Dabei feuerte die Luftwaffe auch rund 30 Raketen auf die Hauptstadt Gaza ab. Ein Sprecher der Hamas-Polizei sagte, unter anderem sei ein Polizeigelände in Gaza-Stadt beschossen worden, wo gerade eine Abschlussfeier für Polizeischüler stattgefunden habe. Unter den Toten sollen auch Polizeichef Taufik Dschabber, der Gouverneur von Zentral-Gaza und ein Hamas-Sicherheitschef sein.

Ein Reuters-Reporter sah, dass auch Hafenanlagen von Gaza-Stadt und Hamas-Sicherheitseinrichtungen schwer beschädigt wurden. Über der Stadt stand schwarzer Rauch. Autos und Rettungswagen rasten durch die Stadt, um Verletzte ins Hospital zu bringen. Auf den Straßen lagen Tote, viele in Uniformen.

In Israel waren in den vergangenen Tagen die Forderungen nach Militärmaßnahmen gegen die Hamas immer lauter geworden, nachdem der Süden des Landes binnen einer Woche mehr als 200 Mal aus dem Gazastreifen heraus beschossen worden war. Ein ohnehin brüchiger Waffenstillstand war von der Hamas vor wenigen Tagen nicht verlängert worden. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte die Hamas gewarnt, eine weiterer Beschuss israelischer Städte würde zu militärischen Gegenmaßnahmen führen. „Es gibt Zeiten, da ist Zurückhaltung angebracht, und es gibt Zeiten, wo man kämpfen muss“, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak. „Jetzt ist der Moment für den Kampf gekommen.“ Er werde nicht leicht und nicht kurz werden.

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