Vergewaltigungsvorwürfe
Stimmungsmache mit pikanten Details in Strauss-Kahn-Affäre

Immer mehr Details der Affäre Strauss-Kahn kommen ans Licht. Dabei ist die Frage, was wirklich im Hotelzimmer geschah, längst Nebensache. Anwälte und Behörden liefern sich eine Schlammschlacht, wer die Presse füttert.
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New YorkUm Dominique Strauss-Kahn und die Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung ist eine offene Schlammschlacht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgebrochen. Die Anwälte des früheren Chefs des Internationalen Währungsfonds warfen am Donnerstag der Staatsanwaltschaft vor, gezielt Informationen gegen ihren Mandanten zu streuen. Die Ankläger weisen das zurück und stellen ihrerseits die Frage, ob vertrauliche Fakten nicht durch die Gegenseite in die Öffentlichkeit gekommen seien.

Auch die neue Adresse des 62-jährigen ex-IWF-Chefs ist kein Geheimnis mehr: Er wohnt jetzt in einem luxuriösen Haus mit vier Schlafzimmern und Whirlpool, das seitdem von Journalisten belagert wird (SEHEN SIE HIER EIN VIDEO DES INNEREN DES ANWESENS).

Als weitere Beispiele führten Strauss-Kahns Anwälte Medienberichte über DNA-Tests an. Dabei seien auch Informationen, die "selbst wenn sie wahr sind, von keinem Gericht zugelassen würden". Demnach stimmten dessen DNA-Proben mit Spuren auf der Kleidung seines mutmaßlichen Opfers überein. Strauss-Kahn soll versucht haben, ein Zimmermädchen in seiner Hotelsuite zu vergewaltigen. Er weist die Vorwürfe zurück.

Strauss-Kahns Anwälte Benjamin Brafman und William Taylor werfen insbesondere der Polizei vor, wichtige Informationen an die Öffentlichkeit gegeben zu haben, noch bevor die Verteidiger sie kannten. Das bedrohe das verfassungsmäßige Recht auf ein faires Verfahren.

Die Anwälte gaben an, im Besitz von Informationen zu sein, die die Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen massiv untergraben könnten. Die Bezirksstaatsanwaltschaft drehte den Spieß postwendend um und zeigte sich irritiert über die öffentliche Ankündigung vermeintlich neuer Informationen. Diese seien nicht bekannt. Ein Polizeisprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Der Anwalt der Einwanderin aus Guinea wertete das Schreiben als einen Versuch, seine Mandantin als schlechten Menschen darzustellen.

Die Staatsanwaltschaft drehte den Spieß nur wenige Stunden später um: "Wir sind verärgert, dass Sie in der Öffentlichkeit verbreiten, dass Sie über Informationen verfügen, die ein schlechtes Licht auf den Fall werfen und die Reputation des Opfers untergraben", schrieb Joan Illuzzi-Orbon von der Staatsanwaltschaft zurück. "Uns sind keine solche Informationen bekannt."

Bezeichnend: Beide Briefe, die ja eigentlich jeweils an die Gegenseite adressiert sind, wurden sofort veröffentlicht. Unterdessen hat das Zimmermädchen weitere Anwälte angeheuert, um ihr Ansehen zu bewahren. "Wir erwarten, dass die Verteidigung sie irgendwie attackieren wird", sagte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro der Finanzagentur Bloomberg. "Es ist die Aufgabe für ein ganzes Team, sie zu schützen." Zu Shapiro stoßen jetzt der frühere Bürgerrechtsanwalt Norman Siegel und Ex-Staatsanwalt Kenneth P. Thompson.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt angegeben, dass die Beweise gegen Strauss-Kahn umfangreich wären und täglich wüchsen. Der nächste Gerichtstermin ist für den 6. Juni angesetzt. Bei einer Verurteilung drohen dem ehemaligen IWF-Chef nch New Yorker Recht zwischen 15 und 20 Jahren Haft.

Unterdessen überlegt ein New Yorker Lokalpolitiker, Strauss-Kahn noch weiter zur Kasse zu bitten. Scott Stringer will dem Franzosen die Rechnung für "Mehraufwendungen" im Stadtteil Tribeca präsentieren, in dem der 62-Jährige unter strengem Hausarrest lebt. In Zeiten knapper Kassen könne Manhattan nicht einfach so viel Geld für Polizei und ähnliches ausgeben, ohne den Verursacher zahlen zu lassen, sagte er dem Fernsehsender Fox News.

Strauss-Kahn soll vor knapp zwei Wochen in seinem Hotelzimmer im Sofitel am Times Square splitternackt ein Zimmermädchen überfallen und zum Oralsex gezwungen haben. Für eine gewaltige Kaution von sechs Millionen Dollar steht er unter strengstem Hausarrest, im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm Jahrzehnte der Haft. Unterdessen berichten New Yorker Zeitungen, die Affäre habe schon zu einer Konsequenz geführt: Im Sofitel dürften die Zimmermädchen statt knielanger Röcke jetzt Hosen tragen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hosen statt knielanger Röcke?
    Für Oralverkehr ist das nicht wirklich ein Mehr an Schutz!

    Sex sells!

    Das wissen nicht nur die Medien.
    Siehe Kachelmann, Assange( Wikipedia),...

    Falls es wirklich eine Verschwörung ist, ist das der Weg der ersten Wahl, weil hier die (Vor)Verurteilungen schnell da sinbd und dann der/die Angeklagte mit und ohne Richterspruch sozial und finanziell schnell am Ende sind.

    Unser Justizsystem im Westen demontiert sich so selber.

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