Verhandlungen vertagt
Altmaier gibt in Doha ein schlechtes Bild ab

Bundesumweltminister Peter Altmaier wirkt auf dem UN-Klimagipfel in Doha konzeptlos. In seiner Rede spart er alle heikle Themen aus. Gründe für sein schwaches Auftreten: Konflikte mit der FDP und eine ohnmächtige EU.
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DohaDie Veranstaltung hatte fast schon Symbolcharakter. Auf dem Klimagipfel in Doha luden die Nichtregierungsorganisation Germanwatch und Jugendliche der Klima-Initiative Youthinkgreen zur Pressekonferenz mit Peter Altmaier. Doch der Minister kam 15 Minuten zu spät. Zehn Minuten später war schon wieder alles vorbei.

Die Jugendlichen wollten Altmaier auffordern, sich in den verbleibenden Stunden in Doha für ein möglichst ambitioniertes Verhandlungsergebnis einzusetzen. Er werde ihr Anliegen in seinem Herzen tragen, erwiderte der Minister, und engagiert verhandeln. Sie wünschte, er behielte die Botschaft auch im Kopf, erwiderte daraufhin die 18-jährige Klimabotschafterin Judith Gebbe. Wenig später war Altmaier wieder verschwunden.

Am Freitag verkündete Peter Altmaier (CDU) schließlich erwartungsgemäß, dass er angesichts der schwierigen Verhandlungen eine Vertagung zentraler Punkte erwarte. „Ich bedauere, dass es wahrscheinlich in zwei Bereichen, nämlich bei Finanzen und Reduzierung der Treibhausgase, nicht schon jetzt zu verbindlichen Zahlen kommen wird“, sagte Altmaier.

Er rechnete dennoch mit langen Verhandlungen, womöglich bis in den Samstag hinein. „Deshalb habe ich mir schon ein kleines Kissen mitgebracht. Ich glaube aber nicht, dass ich Zeit haben werde, es zu benutzen.“

Das Auftreten des Ministers irritiert in Doha viele Beobachter. Zu Hause hatte er noch öffentlichkeitswirksam verkündet, dass er sich auf dem Klimagipfel ganz besonders für ein ambitionierteres Emissionsminderungsziel der Europäer einsetzen werde – und im Interview mit dem Fernsehsender Phönix en passant die polnischen Nachbarn brüskiert, als er sagte: "Wir wären auch ohne Polen im Stande, uns als Europäer zu diesem 30-Prozent-Ziel zu bekennen. Ich plädiere sehr entschlossen dafür."

Seine parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche, die ihn in Doha vertrat, düpierte derweil die Partner in der Europäische Union und ihren Chef gleich mit. Tage vor dem Gipfelende gestand Reiche schon ein, dass sich die Europäer in Doha vermutlich nicht würden auf das 30-Grad-Ziel einigen können – und gab damit eine wichtige Karte im Verhandlungspoker aus der Hand. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard soll darüber alles andere als erfreut gewesen sein.

Womöglich wollte der Minister durch seine offenen Worte nur auf schnellere Fortschritte in der Klimapolitik drängen und seiner Sorge Ausdruck verleihen, dass es zu langsam vorangeht. Doch in der Öffentlichkeit kamen seine Statements anders an. In Doha hatten viele den Eindruck, Altmaier hänge sich zu sehr aus dem Fenster, ohne sich vorher eine passende Strategie überlegt zu haben. Der Minister scheine zu glauben, er könne "zu einer Konferenz fahren, ohne das mit den europäischen Staaten gemeinsam vorzubereiten", kritisierte beispielsweise Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser, "und ohne dass er sich hier ins Zeug legt".

Kommentare zu " Verhandlungen vertagt: Altmaier gibt in Doha ein schlechtes Bild ab"

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  • So stimmt es doch auch nicht.

    Richtig müsste es heißen: "Altmaier gibt in Doha sein bestes Bild ab"

    Eigentlich müsste man sich mit ihm täglich geistig duellieren. Aber er kommt immer unbewaffnet!

  • Liebe HB-Redaktion,
    jetzt finde ich schon wieder einen Artikel nicht, den es vor ein paar Stunden noch gab, das Interview mit dem UN-Direktor für Umwelt.... Wo habt Ihr ihn versteckt?
    Es liegt doch hoffentlich nicht an meinem Kommentar bzgl der UN-Korruption, insbesondere der im Pharma- (Schweinegrippe-Epidemie) und Klima(rat)-Bereich?
    Auch der Schwerpunkt "Klimagipfel" ist schon wieder verschwunden. Eine weise Entscheidung!

  • Weder sparen wir Strom, noch verbrauchen wir weniger Benzin....das einzige was hier gestiegen ist, sind die Kosten mit denen der Staat dem Bürger in die Tasche greift und das nennt man das Umweltverbesserung...völliger Quatsch.

    Im übrigen rate ich jedem mal nach Doha bei NAcht zu fliegen...das sieht aus wie LasVegas für Araber, also wenns um Umwelt etc. geht, wovon quatschen die dann in Doha? Die nächste Sitzung für Weltdemokratie findet dann wahrscheinlich bald in China statt oder was?

    Sorry, was hier politisch getrieben wird hat mit Umweltschutz oder Klima etc. nicht das geringste zu tun. Hier gehts ums Geld scheffeln und den fast gleichen Mist weiter wie bisher machen.

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