Verteidigungsminister wusste vom Umgang mit Kellys Namen
Luft für Hoon wird dünner

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hat bei der richterlichen Untersuchung zur Kelly-Affäre am Montag erstmals öffentlich zugegeben, über einen der umstrittensten Punkte informiert gewesen zu sein. Er erklärte, die Strategie seiner Pressesprecher zur Nennung des Namens von Waffenexperte David Kelly genehmigt zu haben.

HB LONDON. Viele britische Medien halten es für wahrscheinlich, dass Hoon nach Abschluss der Untersuchung zurücktreten muss.

Kelly hatte sich das Leben genommen, nachdem er als Quelle für einen kritischen Irak-Bericht des Senders BBC bekannt geworden war. Seinen eigenen Worten zufolge fühlte er sich von seinem Arbeitgeber, dem Verteidigungsministerium, „verraten“, weil dieses seinen Namen nicht geheim gehalten hatte. Deshalb ist bei der Untersuchung von Lordrichter Brian Hutton die Frage von zentraler Bedeutung, ob Hoon die Strategie seiner Pressesprecher gebilligt hatte, Kellys Namen unter Umständen zu nennen.

Bei seiner ersten Aussage hatte Hoon im vergangenen Monat noch jede Mitverantwortung dafür bestritten. Doch nun bestätigte er, das Vorgehen der Pressestelle gutgeheißen zu haben. Demnach sollte Kellys Name nicht direkt an die Öffentlichkeit gebracht werden. Falls ein Journalist aber von sich aus fragen sollte, ob es sich bei dem BBC- Informanten um Kelly gehandelt habe, sollten die Sprecher dies bestätigen. Hoon verteidigte dieses Vorgehen. Die Sprecher hätten ja schlecht wahrheitswidrig etwas bestreiten können, sagte er.

Dem Ministerium wird allerdings in erster Linie vorgeworfen, so viele Informationen über den namentlich zunächst nicht genannten Informanten an die Öffentlichkeit gebracht zu haben, dass informierte Journalisten selbst auf Kelly kommen konnten. So geschah es dann auch. Dennoch blieb Hoon auch am Montag dabei, dass sich weder er noch sein Ministerium etwas vorzuwerfen habe: „Ich kann in keiner Weise sehen, dass Dr. Kelly während dieses internen Prozesses im Verteidigungsministerium schlecht behandelt worden ist“, sagte er.

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