Verteidigungspolitischer Entschluss provoziert Kritiker
Blair will Atomwaffen für U-Boote erneuern

Der britische Premier Tony Blair hat im Unterhaus die Entscheidung für die Modernisierung der britischen atomaren Abschreckungswaffe „Trident“ bekannt gegeben – und eine Diskussion über Großbritanniens Atombewaffnung ins Rollen gebracht.

LONDON. „Auch wenn der kalte Krieg vorbei ist, können wir nicht sicher sein, dass in den kommenden Jahrzehnten nicht doch eine neue atomare Bedrohung unserer strategischen Interessen entsteht“, sagte Blair im Unterhaus. Es wäre „unter diesen Bedingungen unklug, wenn Großbritannien als einziger Atomstaat seine Abschreckungskapazität aufgeben würde“.

Spätestens Mitte der zwanziger Jahre muss Großbritannien vier Vanguard U-Boote ersetzen, die jeweils 16 Trident- Langstreckenraketen tragen. Die Kosten eines neuen Systems oder einer Generalüberholung belaufen sich Schätzungen zufolge auf bis 25 Mrd. Pfund. Um die Pille zu versüßen, wird die Atomflotte auf drei U-Boote und die Zahl der Sprengköpfe von 200 auf 160 reduziert.

Im Frühjahr soll das Unterhaus über die Pläne abstimmen. Das Votum hat allerdings nur „indikativen“ Charakter, betonen Regierungskreise. Alle gesetzlichen Vollmachten für die Modernisierung der Nuklearstreitkraft liegen vor. Aber mehr als 50 Labour-Abgeordnete wollen das Atomprogramm zum Thema eines neuen Streits mit Blair machen. Sie und die Abrüstungsorganisation CND halten Trident für „zu teuer und unnötig“.

Auch einige Konservative und eine starke Meinungsfraktion in der Öffentlichkeit bezweifeln, dass eine Atomwaffe sinnvoll und notwendig ist. Dazu gehören auch der ehemalige konservative Verteidigungsminister Michael Portillo. Sogar Außenministerin Margaret Beckett wurde zunächst zu den Trident Skeptikern gezählt. Gestern saß sie demonstrativ neben Blair im Unterhaus.

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