Vertreter aus Russland und USA bei Staatsbegräbnis
Zehntausende Turkmenen bei Staatsbegräbnis für Nijasow

Der verstorbene turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow ist am Sonntag mit einem prunkvollen Staatsbegräbnis beigesetzt worden. Zehntausende erwiesen dem autokratisch regierenden Machthaber in seinem Palast in der Hauptstadt Aschgabat die letzte Ehre.

HB ASCHGABAT. Von Kampfjets überflogen warteten die Trauernden seit dem frühen Morgen geduldig in langen Schlangen, um Abschied von „Turkmenbaschi“ - dem „Vater aller Turkmenen“ - zu nehmen, der in einem offenen Sarg aufgebahrt wurde. Nach der Zeremonie, die in ihrem Personenkult an die verordnete Massentrauer nach dem Tod des sowjetischen Diktators Stalin 1953 erinnerte, wurde der am Donnerstag im Alter von 66 Jahren gestorbene Politiker im Familienmausoleum des nahen Heimatorts Kiptschak beigesetzt. Soldaten begleiteten Nijasow auf seinem letzten Weg, eine Militärkapelle spielte Trauermusik aus einem turkmenischen Film der Sowjet-Ära.

Die straff organisierten Trauerfeierlichkeiten konnten die Unsicherheit nicht verbergen, die nach dem Herztod des „Turkmenbaschi“ in dem erdgasreichen Land eingezogen ist. „Ich habe wirklich Angst. Die Zukunft Turkmenistans ist nach dem Tod Präsident Nijasows ungewiss“, sagte die Mittfünfzigerin Olga, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. Nach dem Herztod Nijasows, der die zentralasiatische Republik 21 Jahre lang mit eiserner Hand regierte, herrschen Sorgen vor Unruhen und einem Machtkampf.

„Es war Schicksal. Aber seine Politik wird weiterleben“, gab der Geschäftsmann Suleiman die offizielle Linie wieder. Andere zeigten mehr Gefühle: Einige weinten, als sie an den Sarg kamen, neben dem Nijasows Frau, Sohn und Tochter in stiller Trauer saßen. An dem Staatsbegräbnis in der marmornen Säulenhalle nahmen auch Russlands Ministerpräsident Michail Fradkow, ein Vertreter des US-Außenministeriums sowie der Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, teil. Ungeachtet des Vorwurfs schwerer Menschenrechtsverstöße hielten viele westliche Staaten an einer Kooperation mit Turkmenistan fest. Das Land verfügt über die fünftgrößten Erdgasreserven der Welt und ist über Gaslieferungen an Russland indirekt auch an der westeuropäischen Versorgung beteiligt.

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