Vor dem ersten Gerichtstermin
Karadzic – Endstation Den Haag

Nach seiner ersten Nacht im Gefängnis des Uno-Tribunals in Den Haag wartete der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic am Donnerstagmorgen auf seinen ersten Auftritt vor dem Gericht.

BERLIN. Das Versteckspiel von Radovan Karadzic endete nicht einmal bei seiner Überstellung am Mittwoch zum Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Kurz nach vier Uhr morgens hob die kleine zweistrahlige weiße Maschine mit dem Schriftzug „Republika Srbija“ in kyrillischen Buchstaben vom Belgrader Vorortflughafen ab. An Bord: Der frühere bosnische Serbenführer, der geweckt worden war, als sich seine Anhänger bei einer Demonstration am Vorabend noch letzte Schlagstock-gegen-Steinewerfer-Gefechte mit der Polizei lieferten, und dann in einem Konvoi aus schweren Geländewagen zum Flugplatz gebracht wurde. Gegen 6.30 Uhr landete die Maschine in Rotterdam, wo zwei holländische Polizei-Hubschrauber warteten.

Um 7.07 Uhr landete einer der Helikopter im Gefängnishof von Schneverdingen, der andere kreiste noch fast 40 Minuten über dem Gelände. Erst heute um 16 Uhr wird Karadzics Versteckspiel vorbei sein, dann muss er zum ersten Mal vor seinen Untersuchungsrichter Alphons Orie treten. Der Niederländer, nicht der belgische Chefankläger des Tribunals Serge Brammertz, leitet dort Karadzics Anhörung. Die erste Frage wird dann lauten: Schuldig oder nicht-schuldig?

Die Antwort muss Karadzic dem Gericht innerhalb von 30 Tagen übermitteln. Ihm werden elf Anklagepunkte zur Last gelegt, darunter die am schwersten wiegenden Kriegsverbrechen und Völkermord im Bosnien-Krieg von 1992 bis 1995.

Bis zuletzt hatte der heute 63-Jährige sein Versteckspiel getrieben: Zuletzt am vorigen Freitag, als er seinen Anwalt erst um fünf Minuten vor Ablauf der Einspruchsfrist um 20 Uhr den Einspruch gegen seine Auslieferung an den internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag einlegen ließ. In einen Briefkasten vor den Toren Belgrads, um zwar die Frist einzuhalten, aber noch einen Tag länger in Serbien zu bleiben. Im Untersuchungsgefängnis der serbischen Hauptstadt soll er sich aber bereits seiner treuesten Diener entledigt haben, berichtet Verteidiger Svetozar Vujacic: „Karadzic wollte sich als erstes seine Löwenmähne, den Zopf und den weißen Rauschebart abschneiden lassen.“

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