Währungsfonds reagiert auf Kritik
IWF erfindet neue Kreditprogramme

Der Internationale Währungsfonds will seine Hilfsangebote für krisengeschüttelte Länder deutlich überarbeiten. Kurz vor dem G20-Gipfel in London reagiert er damit auf Kritik, die Unterstützung des Fonds sei zu unflexibel geregelt. Zukünftig sollen potenzielle Krisenländer leichter an Hilfen kommen.

WASHINGTON. Die Gremien des Internationale Währungsfonds (IWF) berieten am Dienstag in Washington darüber, wie die Bedingungen für die Ausleihung von Geldern erleichtert werden und welche Kreditlinien neu hinzukommen könnten. Zuvor hatten einige Länder jedoch bereits klar gemacht, dass sie an IWF-Mitteln auch in Zukunft kein Interesse hätten. Mit einer Annahme der Hilfen sei ein Stigma verbunden, das sich negativ auswirken könne, hieß es aus Südkorea und Singapur.

Künftig sollen die Bedingungen, die ein Land erfüllen muss um IWF-Hilfe zu erhalten, individueller auf die potenziellen Empfänger zugeschnitten werden. Das heißt, dass der IWF genauer die jeweiligen Umstände analysieren will, unter denen jeweils Wirtschaftspolitik betrieben wird. Damit soll verhindert werden, dass ein Land alleine deshalb "durchfällt", weil es bestimmte feste Bewertungsgrößen nicht erreicht. Mehr als bisher soll dabei der Blick auf die Ausgangsbedingungen für Reformen im Vordergrund stehen - und weniger die aktuelle Lage. Widerspiegeln soll sich dies bereits in einem neuen Kreditprogramm mit dem Namen "Flexible Credit Line" (FCL).

Um dem Vorwurf der Stigmatisierung zu begegnen schafft der IWF zudem die Auflage ab, dass Länder, die bestimmte Kriterien nicht erfüllen, Ausnahmegenehmigungen beantragen müssen, wollen sie auch weiterhin Gelder beziehen. Die Bitte um einen so genannten "Waiver" empfanden viele Regierungen als Negativzeichen, das ihnen ein schlechtes Image verschaffte. Dieser Vorwurf droht allerdings auch der neuen Kreditfazilität FCL. Korea und Singapur hatten ihre Ablehnung einer Teilnahme an dem Programm damit begründet, dass die Annahme dieser leichter erhältlichen Hilfen nur ein Zeichen dafür sei, wie prekär die wirtschaftliche Situation des Empfängerlandes ist. Die südkoreanischen Märkte reagierten höchst empfindlich, wann immer sie das Wort IWF hörten, sagte kürzlich der Chef des IWF-Teams beim koreanischen Finanzministerium, Lee Hyoung-Ryoul. Es sei deshalb nicht einfach, bei einem solchen Programm mitzumachen.

Die FCL-Linie ist insbesondere für Länder gedacht, die über solide Fundamentaldaten und einen nachgewiesenen Reformwillen verfügen. Mit den Mitteln aus dem Programm soll Krisen vorgebeugt werden; sie können aber auch zur akuten Hilfe verwendet werden. Wer das Geld in Anspruch nehmen kann will der IWF fallweise entscheiden. Bedingungen und Zeitvorgaben sollen deutlich weniger straff als in anderen Programmen ausfallen.

Für den IWF bedeuten diese Veränderungen eine grundsätzliche Neuausrichtung seiner Vergabepolitik. Denn mit der Einführung von FCL stoppt er gleichzeitig auch sein Programm für kurzfristige Liquiditätshilfen (SLF). Dies hatte den Nachteil, dass es nur einer sehr begrenzten Zahl von Ländern zugänglich war, die Mittel relativ zügig zurück bezahlt werden mussten und auch keine präventive Inanspruchnahme möglich war. Mit der neuen Kreditlinie räumt der IWF auch ein, dass sich die kurzfristigen Hilfen - intern als E-Z-Loans bekannt - in Höhe von 100 Mrd. Dollar als völlig untauglich erwiesen haben. Kein einziges Land hatte Unterstützung aus diesen Mitteln beantragt, aus Furcht, sich damit in der Öffentlichkeit als Krisenland zu entblößen. Eigentlich waren die E-Z-Loans nach dem Zusammenbruch der Bank Lehman Bros. und der folgenden Abwärtsspirale an den Finanzmärkten als Nothilfe ins Leben gerufen worden.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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