Währungsunion
Bei den Neuen grassiert die Angst vor dem Teuro

Ab dem 1. Januar 2008 gehören auch Malta und Zypern zur Europäischen Währungsunion. Die Konvergenzkriterien für den Beitritt erfüllen beide Neulinge nahezu vorbildlich. Doch in den Ländern geht die Furcht um. Immer mehr Verbraucher sorgen sich, bei der Währungsumstellung das Nachsehen zu haben.

NIKOSIA. Die beiden Inselstaaten Malta und Zypern krönen jetzt ihren Weg nach Europa mit dem Beitritt zur Wirtschafts- und Währungsunion. Für die zwei kleinen Länder ist das ein großer, wenn auch nicht unumstrittener Schritt. Aus Sicht der EU ist der Beitritt der Zyprer und Malteser ökonomisch allerdings nur eine Fußnote: Die Zahl der Menschen, für die der Euro gesetzliches Zahlungsmittel ist, wächst dadurch gerade mal um gut eine auf 318 Millionen. Und die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone steigt nur leicht um 0,2 Prozent.

Die Konvergenzkriterien für den Beitritt zur Währungsunion erfüllen beide Neulinge nahezu vorbildlich. Zypern war schon 2004 das wirtschaftlich stärkste der zehn neuen EU-Beitrittsländer. Das Pro-Kopf-Einkommen von 16 470 Euro liegt nur knapp unter dem EU-Durchschnitt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst seit 2004 pro Jahr um durchschnittlich 3,8 Prozent. Die Inflation liegt mit 1,7 Prozent ebenso im Rahmen des EU-Stabilitätspaktes wie der Haushaltssaldo und die Staatsverschuldung, die sich auf knapp über 60 Prozent des BIP beläuft. Die Inselrepublik glänzt darüber hinaus mit einer Arbeitslosenquote von nur 4,3 Prozent. Eigentlich also ein unproblematischer Kandidat – wäre da nicht die Inselteilung.

Völkerrechtlich trat zwar im Mai 2004 ganz Zypern der EU bei, da sich das Staatsgebiet der international anerkannten Republik auch auf den seit 1974 türkisch besetzten Norden der Insel erstreckt. Doch der Euro wird nur im Südteil der Insel eingeführt, der von der griechisch-zyprischen Regierung kontrolliert wird. Jenseits der quer durch die Insel verlaufen-den Demarkationslinie, in der nur von Ankara anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“, bleibt die türkische Lira gesetzliches Zahlungsmittel. Als Parallelwährung dürfte aber auch dort schon bald das neue Geld zirkulieren, denn mehrere Tausend türkische Zyprer arbeiten im griechischen Südteil.

Dort setzt vor allem die Wirtschaft auf den Euro, denn der verspricht billigere Kredite. In der vergangenen Woche senkte die zyprische Zentralbank den Leitzins um 50 Basispunkte und passte ihn damit dem EZB-Niveau von 4,0 Prozent an. Allerdings ist der Euro nicht allen Zyprern willkommen. Die größte Partei der Insel, die kommunistische AKEL, versuchte, die Einführung der neuen Währung zu verhindern. Die Kommunisten und die ihnen nahestehenden, auf Zypern traditionell starken Gewerkschaften fürchten vom Beitritt zur Währungsunion wachsenden Deregulierungs- und Privatisierungsdruck. Immer mehr Verbraucher sorgen sich überdies, bei der Währungsumstellung das Nachsehen zu haben. Nach einer Umfrage rechnen drei Viertel der Zyprer mit einem Inflationsschub.

Die Furcht, dass sich der Euro als „Teuro“ erweisen könnte, geht auch auf Malta um: Inzwischen erwartet schon jeder dritte Malteser von der Währungsumstellung steigende Preise – obwohl der Einzelhandel Preisdisziplin gelobt hat. Rund 80 Prozent der maltesischen Händler haben sich der freiwilligen „Disziplin-Initiative“ angeschlossen. Allerdings war auf Malta schon der EU-Beitritt umstritten: 2003 setzten sich bei einer Volksabstimmung die Beitrittsbefürworter nur knapp mit 54 Prozent durch. Wirtschaftlich haben die rund 400 000 Malteser, die auf nur 316 Quadratkilometern leben, vom Beitritt aber in jedem Fall profitiert: Die Wirtschaft wuchs seither pro Jahr um durchschnittlich drei Prozent. Die Konvergenzkriterien erfüllt der Inselstaat bereits besser als manches alte Mitglied der Euro-Zone: Die Inflation liegt bei 2,2 Prozent, die Defizitquote soll von 2,3 Prozent in diesem auf 1,2 Prozent im kommenden Jahr gedrückt werden.

Das einstige Niedriglohnland setzt neben dem Tourismus vor allem auf Produktion mit hoher Wertschöpfung und anspruchsvolle Dienstleistungen. Ein Beispiel dafür ist das Wartungszentrum, das die Lufthansa zusammen mit Air Malta seit 2002 auf der Insel unterhält und zurzeit ausbaut. Das Projekt unterstreicht Maltas Anspruch, sich als künftiges Technologiezentrum zu etablieren.

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