Waffenruhe gescheitert
Erstes israelisches Opfer im Konflikt in Nahost

Nun ist auch ein Israeli zum Opfer der Gefechte zwischen israelischer Armee und Hamas geworden. Eine Feuerpause in den einwöchigen Auseinandersetzungen scheiterte – wie die Vermittlungen von Außenminister Steinmeier.
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Tel Aviv/ GazaDer erste Anlauf für eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt ist gescheitert. Israel stoppte zwar am Dienstag sechs Stunden lang seine Luftangriffe auf die islamistische Hamas im Gazastreifen. Die Palästinenser-Miliz aber feuerte ununterbrochen Raketen Richtung Israel, weil sie sich von der diplomatischen Initiative Ägyptens für die Feuerpause übergangen sah. Nachmittags setzte dann auch die israelische Armee ihre Attacken fort.

Der gegenseitige Beschuss dauert damit schon eine Woche. Nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste wurden in Gaza dabei mindestens 194 Menschen getötet und 1400 weitere verletzt. Mindestens die Hälfte der Opfer seien Zivilisten.

Erstmals wurde am Dienstag auch ein Israeli von einer Rakete palästinensischer Militanter getroffen. Der Mann wurde laut Armee am Grenzübergang Eres tödlich verletzt.

Ägyptens Fahrplan für eine Waffenruhe sah neben einer Feuerpause vor, Grenzübergänge für Menschen und Güter zu öffnen, sobald sich die Sicherheitslage stabilisiert.

Das Wechselbad geweckter und zerronnener Friedenshoffnungen überschattete auch den Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der Region. „Das Ruhen der Waffen wäre nicht nur eine Atempause, sondern ist vielleicht auch die einzige Chance, um in politische Gespräche zurückzukommen“, sagte er in Tel Aviv. Der SPD-Politiker hatte zuvor Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, seinen Amtskollegen Avigdor Lieberman und in Ramallah Palästinenserpräsident Mahmud Abbas getroffen.

Das israelische Sicherheitskabinett hatte morgens den ägyptischen Waffenruhe-Plan mit 6:2 Stimmen angenommen. Die Gegenstimmen kamen von Lieberman und dem gleichfalls ultrarechten Wirtschaftsminister Naftali Bennett. Schon nach seinem Gespräch mit Steinmeier gegen Mittag hatte Netanjahu klargestellt, dass Israel die Hamas wieder angreifen wird, wenn der Raketenbeschuss nicht endet.

Tatsächlich hatte sich die im Gazastreifen herrschende Hamas übergangen gesehen und den Vorstoß von vornherein abgelehnt. „In keinem Krieg hat es je eine Feuerpause ohne vorherige Vereinbarung gegeben“, argumentierte der militärische Arm der Islamisten-Bewegung. Der hochrangige Hamas-Funktionär Issat al-Rischak schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Der ägyptische Vorschlag ist weder mit der Hamas noch mit dem Islamischen Dschihad noch mit irgendeiner anderen palästinensischen Widerstandsfraktion erörtert oder diskutiert worden.“

Das israelische Militär zählte bis zum Abend 76 Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen. In der Hafenstadt Aschdod wurde ein Haus direkt getroffen.

Nach nur sechs Stunden einseitiger Feuerpause ordnete die Regierung in Tel Aviv an, die Luftangriffe wieder aufzunehmen. Das Militär sprach von 30 Bombardierungen, von denen 20 Raketenstellungen des Gegners gegolten hätten.

Außenminister Lieberman, der innerhalb des Kabinetts als Scharfmacher gilt, forderte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Steinmeier eine Bodenoffensive im Gazastreifen. „Wir wollen die Infrastruktur des Terrors zerstören. Daher kann man diese Militäraktion nicht nur aus der Luft betreiben.“ Israelische Beobachter hielten es aber am Abend für offen, ob die Seiten nicht doch noch zu einem Waffenstillstand finden.

Israel hat in den vergangenen sieben Tagen nach eigenen inzwischen 15076 Hamas-Ziele angegriffen. Die Hamas hat demnach wiederum mehr als 1000 Raketen auf Israel abgefeuert. Nur knapp 200 davon wurden vom israelischen Abwehrsystem abgefangen, die meisten übrigen schlugen in unbewohntem Gebiet ein. Israel hat deshalb keine Todesopfer zu beklagen.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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