Wahlausgang
Islamisten sind siegreich in Tunesien

Die Tunesier haben zum ersten Mal gewählt. Laut vorläufigem Endergebnis hat die islamistische Partei Ennahdha gewonnen, aber nicht die absolute Mehrheit erreicht. Kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kam es zu Protesten.
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Tunis Die islamistische Partei Ennahdha hat die ersten freien Wahlen in der Geschichte Tunesiens mit riesigem Vorsprung gewonnen. Nach dem vorläufigen Endergebnis bekommt die umstrittene Bewegung von Rachid Ghannouchi 90 von 217 Sitzen in der verfassungsgebenden Versammlung. Die absolute Mehrheit hat die Partei Ennahdha aber verfehlt. Wie aus dem am Donnerstagabend in Tunis veröffentlichten amtlichen Endergebnis des Wahlgangs vom Sonntag hervorgeht, kam die Ennahda auf 41,47 Prozent der Stimmen. Sie ist damit auf die Zusammenarbeit mit anderen Parteien angewiesen.

Zweitstärkste Partei wurde die Partei „Kongress für die Republik“ unter Führung des Medizinprofessors Moncef Marzouki mit 30 Sitzen, teilte die Wahlkommission am Donnerstagabend in Tunis mit. Auf Platz drei landete die sozialdemokratische Partei Ettakatol. Sie holte 21 Sitze. Kurz nach der Bekanntgabe des Sieges der islamistischen Ennahda-Partei bei den Wahlen in Tunesien haben sich in der Stadt Sidi Bouzid mindestens 2000 junge Menschen an zum Teil gewalttätigen Protesten beteiligt. Die jugendlichen Demonstranten marschierten am Donnerstagabend zum dortigen Sitz der Partei, wie Augenzeugen und das Innenministerium in Tunis mitteilten. Sie warfen Steine auf Angehörige der Sicherheitskräfte.

Der Protest richtete sich offenbar auch gegen die Entscheidung der Wahlkommission, die Kandidaten der sogenannten Petition für Gerechtigkeit und Entwicklung in Sidi Bouzid und mehreren anderen tunesischen Städten nachträglich wegen Unregelmäßigkeiten von der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung auszuschließen. In Sidi Bouzid hatte Ende vergangenen Jahres die Protestbewegung gegen den langjährigen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali begonnen, mit der der sogenannte «Arabische Frühling» eingeleitet wurde.

Neun Monate nach dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali waren am vergangenen Sonntag rund sieben Millionen Tunesier aufgerufen gewesen, den Grundstein für eine demokratische Zukunft ihres Landes zu legen. Die 217 Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung sollen in den kommenden zwölf Monaten ein Grundgesetz erarbeiten. Es wird erwartet, dass sie zudem einen neuen Übergangspräsidenten bestimmen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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