Wahlen in Simbabwe
Herausforderer aus dem Establishment

Erstmals seit zwanzig Jahren stößt Simbabwes Präsident Mugabe auf ernsthaften Widerstand innerhalb der eigenen Reihen: Mit Simba Makoni tritt ein ehemaliger Weggefährte Mugabes gegen den seit 28 Jahren herrschenden Potentaten an. Doch der unabhängige Kandidat kämpft gegen die Manipulationen des Präsidenten – und seine eigene Vergangenheit.

KAPSTADT. Er zog als jüngstes Mitglied ins Kabinett ein, als Robert Mugabe das frühere Rhodesien 1980 in die Unabhängigkeit führte. Er diente seinem Präsidenten als Vize-Agrarminister, dann als Industrieminister, und nach einem Intermezzo in der Wirtschaft leitete er von 2000 bis 2002 das Finanzressort. Doch nun stellt sich Simba Makoni gegen seinen früheren Mentor und tritt bei der Präsidentenwahl als Gegenkandidat gegen Mugabe an. Zum ersten Mal wagt es ein Mitglied des Establishments, den seit 28 Jahren herrschenden Potentaten direkt herauszufordern.

Makoni hält die schwere wirtschaftliche und politische Krise des Landes für hausgemacht. Er trete an, weil die Regierungspartei Zanu PF sich bei ihrem letzten Parteikongress geweigert habe, das für die Misere verantwortliche Führungspersonal auszutauschen. Die Zanu PF reagierte auf die heftige Ohrfeige mit dem Parteiausschluss des Kritikers. Deshalb muss Makoni bei der Wahl am Samstag als unabhängiger Kandidat antreten: „Ich wäre damals gerne offizieller Präsidentschaftskandidat der Zanu geworden, doch wurde mir diese Möglichkeit verwehrt.“ Die gegenwärtige Lage in Simbabwe hält Makoni für unerträglich: „Ich weiß um die furchtbaren Nöte, die die Menschen hier in den vergangenen zehn Jahren zu erleiden hatten“, sagt er. Warum er dennoch so lange geschwiegen hat, lässt er offen.

Beobachter sehen in Makonis Kandidatur ein Zeichen dafür, dass Mugabe erstmals seit mehr als 20 Jahren auf stärkeren Widerstand in den eigenen Reihen stößt. Der Politikprofessor John Makumbe etwa spricht von einem „bedeutsamen Schritt“, weil Makonis Wahlteilnahme die Stimmen für das Regierungslager aufspalten könnte. So hat ihm der frühere Innenminister Dumiso Dabengwa, ein politisches Schwergewicht, inzwischen seine Unterstützung zugesichert.

Dennoch ist Skepsis geboten: So verfügt Makoni über wenig Rückhalt bei der ländlichen Parteibasis. Seine Anhänger finden sich vor allem unter Intellektuellen und der Stadtbevölkerung – und damit oft auch unter den Anhängern der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), für die Morgan Tsvangirai ins Rennen geht.

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