Wahlkampf in Frankreich
Sarkozy: „Ich gebe nie auf“

In einer dreistündigen Live-Sendung beweist Sarkozy seine Qualitäten als gewiefter Debattierer. Ein überzeugendes Projekt für die angestrebte zweite Amtszeit aber bleibt er schuldig.
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ParisEs war wohl der wichtigste Fernsehauftritt seines Wahlkampfes, und Nicolas Sarkozy hat ihn genutzt, so gut er konnte. Weil er in den Umfragen gegenüber dem vorne liegenden Herausforderer Francois Hollande nicht aufholt, sondern jüngst sogar weiter zurückfällt, schwindet im Lager des Präsidenten die Hoffnung, dass er das Blatt noch wenden kann.

Diese fast schon schicksalsergebene Stimmung musste Sarkozy brechen, und das hat er versucht, so gut er konnte: In der Sache stets beschlagen und sicher, mal humorvoll, mal bescheiden-selbstkritisch und ab und zu mit beißender Kritik hat der französische Staatspräsident bewiesen, dass ihm in einer Live-Debatte so schnell niemand den Rang abläuft.

Ein wenig war es wie bei einem mittelalterlichen Duell: Fünf Journalisten und ein ehemaliger Premierminister ritten nacheinander gegen Sarkozy an, und alle bis auf den sozialistischen Politiker Laurent Fabius hob der Amtsinhaber aus dem Sattel. Ob sie nun versuchten, ihm eine Politik zugunsten der Reichen vorzurechnen, ihm Nähe zu den Vorschlägen der Rechtsradikalen Marine Le Pen vorwarfen oder ihn als Bling-Bling-Politiker und Freund der Millionäre vorführen wollten: Sarkozy wehrte die Angriffe ab.

Geschickt wechselte er die Taktik: Mal wich er zurück und räumte Fehler ein, etwa wenn es um seine umstrittene Siegesfeier im schicken Champs-Elysée Restaurant Fouquet’s ging. Doch sogleich holte er zum Gegenschlag aus: „Wollen Sie Unternehmer stigmatisieren, die nichts gestohlen haben und stets ihre Steuern in Frankreich zahlen? Wer soll denn in diesem Land Arbeitsplätze schaffen?“ Sollte er wieder gewinnen, werde er seinen „Sieg der schweigenden Mehrheit der Franzosen widmen. Feiern werde ich mit meiner Familie.“

Sogar persönliche Schwächen, die er zugab - „ich bin zu spontan, zu emotional“ - wusste Sarkozy in Stärken umzudeuten: „Bestimmte Dinge empören mich eben einfach, wie Veränderungsscheu, Konservatismus und politische Feigheit.“ Seine größte Qualität sei seine Energie: „Ich gebe nie auf.“ Noch sei die Wahl längst nicht gelaufen, die Franzosen würden selber entscheiden, nicht die Demoskopen.

Doch so geschickt Sarkozy sich auch debattentechnisch schlug, sowenig gelang es ihm, einen Blick nach vorne zu werfen, die Zweifel daran zu zerstreuen, dass er das in tiefe Selbstzweifel, fast schon in Depression versinkende Frankreich nach vorne führen kann. Ein paar neue Vorschläge zauberte er aus dem Hut: „Ich werde eine Mindestbesteuerung für die großen Konzerne einführen, einige von ihnen wie Total zahlen keine oder fast keine Steuern, das werden wir ändern.“ Alle Details, wie er das mit geltenden internationalen Abkommen vereinbaren will, blieb er schuldig.

Seine seit ein paar Tagen anhaltende Kritik an der Zuwanderung, mit der er Stimmen aus dem rechten Lager zurückgewinnen will, verschärfte der Präsident: „Unsere Integrationspolitik funktioniert immer schlechter, weil es einfach zuviele Ausländer gibt.“ So einfach die Diagnose, so einfach die Therapie: er werde durch schärfere Auflagen den Zuzug halbieren.

In der Debatte, in der Europa und die internationale Politik praktisch keine Rolle spielten, kam Sarkozy nur einmal auf Deutschland zu sprechen. Führte er noch Anfang Februar die Bundesrepublik in jedem zweiten Satz als leuchtendes Beispiel an, kam ihm dieses Loblied jetzt ncht mehr über die Lippen. Aber immerhin: Sollte er wiedergewählt werden, dann werde ihn seine erste Reise sofort nach Berlin führen, um Angela Merkel zu treffen. „Nicht, dass sie mir fehlt – aber ich mag sie sehr und die Art, wie sie ihr Land durch die Krise geführt hat.“

Die naheliegende Frage, warum das ihm nicht genauso gut gelungen sei, konnte der Präsident nicht beantworten. Gleich mehrfach versuchte der wegen der hohen Verschuldung und der rasant gestiegenen Arbeitslosigkeit bei den Wählern in Ungnade gefallene Präsident es mit einem matten Konter: „Sehen Sie sich Spanien und Großbritannien an, wo die Sozialisten regiert haben, da ist die Arbeitslosigkeit viel mehr gestiegen.“

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Sarkozy: „Ich gebe nie auf“

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Hollande, die "Walderdbeere“

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  • @eis

    "Geht es etwa in Deutschland nicht ehrlich zu ?"

    Natürlich _nicht_. Wir werden hier von der allmfassenden Politischen Korrektheit zwangsversklavt, den Illuminieten und Blöderbergern ausgeliefert, von einer Handpuppe des Kapitals unterjocht und überhaupt.

    Waren Sie schon mal auf "Schall und Rauch"?

    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2008/12/der-grosse-plan-was-sie-mit-uns-vor.html

    JETZT wissen Sie, was DIE (KREIIIIISCH) mit uns vorhaben ...

    Ach ja: Schon die neue Rock & Folk gesehen??? Nina Hagen auf dem Titel, 12 Seiten im Inhalt, 6 über Krautrock ... L'amitié franco-allemande!

    Ach ja, die Boches in der Rolling Stone sind genau so behämmert, wie diese teutonischen Lurche, die nicht einmal Froischschenkel zu geniessen wissen ;-) Barbaren!

    Grüße über die Grenze weg

  • @RobertSchumannsErben

    "Froschschenkelgenießern"

    Also, ich finde Frischschenkel auch lecker. Nicht ganz so lecker wie Schildkrötensuppe, aber davon ist ja bis auf eine einsame Dose von Lacroix im Keller meiner Schwiegermutter - um die es nach ihrem Ablkeben wahrscheinlich einen mittleren Bürgerkrieg geben wird - nichts mehr da.

    Aber zur Not tun es auch leckere Froschschenkel ...

    Kann ja nicht jeder nur von Labskaus (würg) oder Dippelappes (kotz) leben ...

  • Das französische Problem der Einwanderung von Ausländern hat nur bedingt etwas mit deutschen Verhältnissen zu tun. Nachzuschlagen in einer Kolonialpolitik, die schon einige Generationen zurückliegt und bis heute nicht so gesehen wird.

    Le Gnom, maintenant, er sieht das anders, die versauen ihm doch glatt die Quote, wegen den allfälligen Transferleistungen, die vorher einsam in die Taschen von Despoten flossen, da regten sich die Menschen weniger auf. Es handelte sich schlichtweg um "Einzelfälle". Jetzt sind es ganze Sippen. Und da scheint mir, gleich wie in Deutschland die Haftung nicht aufgehoben.

    Nun gut, betrifft es den Glauben, da scheint es aber auch nur den Froschschenkelgenießern weniger gleich zu sein. Wenn nun Loùis de Funès II. aufmuckt, daß es nur noch Halal gibt, da sollte er doch gefälligst dafür sorgen, daß die Art der Rituale auf den Schlachthöfen andere werden. Das Problem wäre gelöst, nicht jedoch für die islamische Welt.

    Das hat in Deutschland ein "gestandener" Bundespräsident erkannt und gleich sein Glaubensbekenntnis, ungefragt, abgegeben. In Frankreich hätte das Schlachten hervorgerufen, trotz Säkularismus. Glauben, da haben die Franzosen keine Probleme mit. In Deutschland hat so mancher den Glauben verloren, ob der Dinge, die gerade größere Einschnitte in die Verständlichkeit der Gesetzgebung betreffen.

    Beiderseits des Rheins stelle ich fest, die Probleme wären beileibe weniger da, würden die BürgerINnen in die Entscheidungen der "Leistungsträger aus Leidenschaft" einbezogen. Das geht einher damit, daß BürgerINnen ständig über den Tisch gezogen werden, zum Wohle der "abgehobenen" Kaste.

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