Warnung an Pjöngjang
USA erwägen Abschuss nordkoreanischer Rakete

Unruhe in Washington: Die USA haben als Vorbereitung auf einen möglichen nordkoreanischen Test einer Langstreckenrakete offenbar ihre neue landgestützte Raketenabwehr aktiviert. Zudem richteten die Amerikaner eine eindringliche Warnung an Pjöngjang.

HB WASHINGTON. Die USA erwägen im Fall des Tests einer nordkoreanischen Langstreckenrakete, diese abzufangen. Der Abschuss der Rakete sei eine der möglichen Reaktionen, die die Regierung erwäge, sagten Gewährsleute aus dem Verteidigungsministerium der Nachrichtenagentur ap. Die Informanten wollten anonym bleiben.

Pentagonsprecher Bryan Williams äußerte sich nicht dazu, ob die USA wegen des möglicherweise bevorstehenden Raketentests in Nordkorea ihr Raketenabwehrsystem aktiviert haben. Dies hatte zuvor die japanische Nachrichtenagentur Kyodo gemeldet.

Danach wurde das System im Laufe der vergangenen zwei Wochen von „Test“ auf „Einsatz“ umgeschaltet. Zwei mit dem Aegis-Radarsystem ausgerüstete US-Kriegsschiffe patrouillierten als Teil des Raketenabwehrsystems in der Nähe von Nordkorea. Ihre Sensoren könnten den möglichen Start der Rakete erfassen und als Folge den Abschuss einer Abfangrakete von amerikanischem Boden aus auslösen.

Nordkorea will nach südkoreanischen Berichten mit den USA über den angeblich bevorstehenden Test verhandeln. Der stellvertretende Leiter der nordkoreanischen UN-Botschaft, Han Song Ryol, habe jedoch in einem Interview bekräftigt, dass Nordkorea ein Recht auf Entwicklung und Erprobung von Raketen habe, berichtete am Mittwoch die Nachrichtenagentur Yonhap. Das selbst auferlegte Moratorium von 1999 bezüglich der Tests von Langstreckenraketen gelte nur, solange sich Nordkorea im Dialog mit den USA befinde.

„Als souveräner Staat hat Nordkorea nicht nur das Recht, Raketen zu entwickeln, aufzustellen und zu testen, sondern sie auch zu exportieren“, sagte Han laut Yonhap. Er sei sich der amerikanischen Befürchtungen wegen eines möglichen Raketentests in Nordkorea bewusst. Diese Frage könne durch Diskussionen gelöst werden. Nach Erkenntnissen der USA, Südkoreas und Japans bereitet Nordkorea seit Wochen den Start einer Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 vor. Ob die Rakete bereits betankt wurde, ist unklar. Die Rakete könnte nach US-Militärangaben einen nuklearen Sprengkopf in Teile der USA tragen.

Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung verschob unterdessen angesichts der wachsenden Spannungen wegen des möglichen Raketentests in Nordkorea erneut einen geplanten Besuch in Pjöngjang. Die Reise sei schwierig geworden, sagte in Seoul der frühere Vereinigungsminister Jeong Se Hyun, der die Verhandlungen über den für nächste Woche geplanten Besuch mit Nordkorea geführt hatte. Kim, der vor sechs Jahren zum ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen in Pjöngjang war, will mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il Entspannungsmaßnahmen auf der koreanischen Halbinsel erörtern.

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