Warnung vor neuem Krieg
Israel will Libanon isolieren

Ein neuer Krieg in Nahost erscheint so nah wie seit Jahren nicht mehr: Die israelische Luftwaffe bombadiert verschiedenen Gebiete im Libanon, dutzende Libanesen wurden dabei getötet. Das Ausmaß und die Härte der Armee-Aktionen überrascht auch viele Israelis.

HB BEIRUT/JERUSALEM. Mit der Entführung der beiden israelischen Soldaten hat die schiitische Hisbollah-Miliz am Mittwoch ein machtvolles Zeichen gesetzt und zugleich eine neue Spirale der Gewalt in Gang gesetzt. Die israelische Regierung beschloss heute auf einer Dringlichkeitssitzung die Seeblockade gegen libanesische Häfen sowie die Ausweitung der Angriffe auf Ziele in dem Land. Israels Landwirtschaftsminister Schalom Simtschon erklärte im Rundfunk, sein Land wolle die Spielregeln im Libanon ändern. Die Regierung in Beirut müsse einsehen, dass sie für das verantwortlich sei, was im Libanon geschehe. Die Offensive sei auf unbestimmte Zeit angelegt.

Die israelische Luftwaffe bombardierte Landebahnen des internationalen Flughafens von Beirut. Kampfflugzeuge feuerten mindestens fünf Raketen auf den Airport. Die libanesische Armee habe die Luftabwehr eingesetzt. Verletzte habe es nicht gegeben, berichteten Flughafenmitarbeiter. Der Flughafen wurde geschlossen und die Flüge nach Larnaca (Zypern) umgeleitet.

Sowohl die Lufthansa als auch die libanesische Fluglinie Middle East Airlines setzten ihre Flüge von Frankfurt am Main nach Beirut aus. Die Maßnahme gelte zunächst bis einschließlich Sonntag, sagte ein Sprecher des Rhein-Main-Flughafens. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte, Reisende mit Buchungen sollten die Airline kontaktieren.

Die Luftwaffe nahm auch den Fernsehsender der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz in einem Beiruter Vorort unter Feuer. Die Hisbollah hatte am Vortag zwei israelische Soldaten an der Grenze zu Israel verschleppt. Israel macht die libanesische Regierung für die Entführung verantwortlich und spricht von einem kriegerischen Akt.

Die israelische Armee bestätigte, dass die Küste vor dem Libanon abgeriegelt worden sei. Damit solle die „Durchfahrt von Terroristen und der Transport von Waffen an die Terrororganisationen, vor allem Hisbollah- Miliz“ verhindert werden.

Bei den Angriffen starben nach Angaben der libanesischen Polizei 31 Menschen, 56 weitere wurden verletzt. Zu den Todesopfern zählen mindestens zehn Kinder. Der Fernsehsender Al Dschasira berichtete sogar von 41 Toten.

Bilderstrecke: Schwere Kämpfe im Grenzgebiet

Das Ausmaß und die Härte der israelischen Reaktion überraschte auch viele Israelis. Es herrscht Sorge, ob der als Ministerpräsident noch unerfahrene Ehud Olmert und der bislang als „Friedenstaube“ geltende Verteidigungsminister Amir Perez, der keinen typischen Militärhintergrund hat, die schwere Krise meistern können. Die Angriffe und Gegenangriffe könnten Israel in einen Kriegszustand hineingleiten lassen, der dann nicht mehr zu stoppen sei, warnte ein israelischer Fernsehkommentator. Die Börse in Tel Aviv reagierte mit Kurseinbrüchen auf die instabile Lage.

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