Was nützt die Liebe? – USA
Seitensprung? Gerne. Edelprostituierte? Auf keinen Fall!

Das prüde, konservative Amerika hat Bill Clinton den Seitensprung mit Lewinsky nicht nur vergeben. Der US-Ex-Präsident ist heute beliebter als je zuvor. Doch die Volksseele verzeiht nicht alles. Teil vier unserer Serie.
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San FranciscoFrankreichs Präsident Francois Hollande ist bei weitem nicht der erste oder einzige Staatsmann, der sich eine Liebelei leistet. Es ist auch nicht die erste Affäre, die in der Öffentlichkeit breitgetreten wird. Und doch gehen die Nationen ganz unterschiedlich mit dem Verhalten ihrer Premiers und Präsidenten und deren Seitensprüngen und Freundinnen um. In einer täglichen, kleinen Serie erzählen unsere Korrespondenten aus China, Italien, Japan, Amerika, Südafrika, Deutschland und Japan von den Liebes-Gepflogenheiten der Politiker in ihrem Land. Heute berichtet unser USA-Korrespondent Axel Postinett.

Am 26. Januar 1998, fast auf den Tag genau vor 15 Jahren, trat der damalige US-Präsident Bill Clinton vor die Kameras, um die wohl folgenschwerste Erklärung seines Lebens abzugeben. „Ich will den amerikanischen Bürgern etwas sagen“, hob er an, „und ich will, dass Sie zuhören. Ich hatte keine sexuelle Beziehung zu dieser Frau, Miss Lewinsky.“

Schlimmer konnte es kaum noch kommen. Im August stand er wieder im Rampenlicht und räumte kleinlaut ein „Ich hatte eine nicht angemessene Beziehung zu Frau Lewinsky.“ Nur um Haaresbreite entkam Clinton einer Amtsenthebung. Sein Ruf und seine Karriere schienen am Ende. Politische Freunde gingen auf Abstand.

Doch das Gegenteil war der Fall. Heute steht Bill Clinton besser da als je zuvor. Im August ergab eine repräsentative Umfrage so hohe Beliebtheitswerte wie nie zuvor. Präsident Obama lässt keine Gelegenheit aus, den Schulterschluss zu ihm zu suchen. Selbst Obama-Kontrahent Mitt Romney legte sich nicht mit ihm an, pries ihn lieber als aufrechten Demokraten.

Ein wichtiger Fakt hinter seinem politischen Überleben war Hillary Clinton, seine schwer geprüfte Ehefrau. Sie entschied sich dafür, die Affäre an der Seite ihres Mannes auszustehen. Am Ende hatten beide gewonnen. Hillary Clinton ist eine der Favoriten auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten 2016. Dann hätte das politische Schwergewicht Bill Clinton eine Chance, einen guten Teil seiner Schuld zurückzuzahlen.

Eliot Spitzer hatte weniger Glück. Der ehemalige Gouverneur von New York geriet 2008 in den Strudel einer Affäre um Edelprostituierte, deren Dienste er mehrfach in Anspruch genommen hatte. Spitzer musste sein Gouverneursamt abgeben. Eine außereheliche Affäre ist das eine, aber Edel-Prostituierte für Tausende Dollar die Nacht, da spielt die eher prüde, konservative amerikanische Volksseele nicht mehr mit. Spitzer selbst hatte „Ethik und Integrität zu Kernbestandteilen“ seiner Politik erklärt.

Der Politiker und ausgemachte Feind der Wall Street wurde Kolumnist für verschiedene Medien und moderierte bis Anfang 2011 eine Talkshow bei CNN. Ende 2013 gaben Spitzer und seine Ehefrau ihre Absicht bekannt, sich scheiden zu lassen. Angeblich, weil der 54-jähre eine Beziehung zur 31-jährigen Lis Smith gehabt haben soll, eine Sprecherin des New Yorker Bürgermeisters Bill de Blasio. Smith war auch Sprecherin von Spitzer, als er 2013 noch einmal versuchte, ein politisches Amt in New York zu übernehmen. Doch die Wähler wollten ihn nicht mehr.

Lesen Sie morgen Teil 5 der Serie. Südafrika - „Zuma und seine vier Frauen“ von unserem Korrespondenten Wolfgang Drechsler.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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