Wechselkursstreit
China bleibt stur

Die chinesische Regierung beugt sich nicht dem internationalen Druck: Auch nach dem Gipfeltreffen mit der EU hält das Reich der Mitte an seiner unstrittenen Wechselkurspolitik fest und hebt die wolkswirtschaftlichen Vorteile des stabilen Yuan-Kurses hervor. Für Europa bringt die starre Haltung der Chinesen hingegen handfeste Nachteile.
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HB NANJING. China schaltet bei seiner Wechselkurspolitik auf stur: Forderungen nach einer Aufwertung der chinesischen Währung seien nicht gerecht, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag nach dem EU-China-Gipfel in Nanjing. Eine Stärkung des Yen würde das chinesische Wachstum bedrohen und wäre zugleich Handelsprotektionismus gegenüber China. Wen wiederholte die Position seiner Regierung, China werde seine Währung auf einem ausgewogenen Niveau halten. „In dieser internationalen Finanzkrise von bislang in der Geschichte selten gesehenem Ausmaß hat sich die Beibehaltung der Stabilität des Yuan-Wechselkurses als positiv für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas und die weltwirtschaftliche Erholung erwiesen“, sagte Wen.

China wird von den Industrieländern seit längerem mehr oder weniger deutlich zu größerer Wechselkursflexibilität aufgefordert. Die Kopplung des Yuan an den US-Dollar verschafft dem Land bei einem schwachen Dollar Vorteile im Export. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte Wen am Wochenende darauf hingewiesen, dass dies für Teile der europäischen Wirtschaft problematisch sei.

Die Worte Wens untermauern aber Chinas starre Haltung in Währungsfragen. Der Ministerpräsident verteidigte nicht nur seine Politik, sondern warf den Kritikern auch unverblümt Protektionismus vor, der die globale Konjunkturerholung bedrohe. Barroso ging am Montag nicht auf Währungsthemen ein. Eine zweite Pressekonferenz über die Ergebnisse des Gipfeltreffens sagte er unerwartet ab.

Beim Thema Klimawandel reichte Wen den Europäern allerdings die Hand. Die Regierung in Peking hatte vergangene Woche angekündigt, seine Kohlenstoffintensität bis 2020 um 40 bis 45 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. Dies sei ein ernst gemeintes Versprechen gewesen, sagte Wen. Die Vorreiterrolle im Kampf gegen die globale Erwärmung müsse jedoch bei den reichen Ländern liegen.

Eine Senkung der Kohlenstoffintensität bedeutet zwar eine höhere Effizienz der Kraftwerke, aber nicht unbedingt eine Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes.

Kommentare zu " Wechselkursstreit: China bleibt stur"

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  • China macht im Welthandel eben nur, was ihnen nützt.
    Das nennt man dort aber nicht Protektionismus. Das gibt es nur außerhalb von China. Und die EU sitzt davor wie "das Kaninchen vor der Schlange". Das ist Globalisierung im chinesischen Verständnis. Ggf. werden sie eben eine Einfuhrsteuer für europäische Produkte erheben.

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