Weiter Spannung in London
Historische Wahlniederlage für Labour ist amtlich

Das Endergebnis bestätigt es: Die Labour-Partei des britischen Premierministers Gordon Brown hat wichtige Kommunalwahlen haushoch gegen die Konservativen verloren und dabei ihr schlechtestes Wahlergebnis seit vier Jahrzehnten hinnehmen müssen. Spannung gibt es dagegen weiter in London.

HB LONDON. Die historische Niederlage der sozialdemokratisch orientierten Partei wurde am Freitagabend mit der Bekanntgabe des Endergebnisses besiegelt, wonach Labour in den 159 Wahlkreisen von England und Wales 331 Mandate einbüßte. Die Konservative Partei gewann 256 Sitze hinzu. Das mit Spannung erwartete Ergebnis der Bürgermeisterwahl in London verzögerte sich und wurde erst kurz vor Mitternacht erwartet.

Labour verlor zugleich in neun Wahlkreisen die Mehrheit und regiert nun nur noch 18 von einst 27. Hochgerechnet auf das gesamte Königreich stürzte die Partei damit ab auf die Position der nur noch drittstärksten politischen Kraft des Landes. Brown (57) sprach am Freitag von einer „großen Enttäuschung für Labour“. Seine Partei werde aus der Niederlage, für die er unter anderem „schwierige wirtschaftliche Zeiten“ verantwortlich machte, „Lehren ziehen“.

Oppositionsführer David Cameron (41) sprach hingegen von einem „großartigen Tag für die Konservative Partei“. Die Tories nahmen der Regierungspartei hunderte Mandate ab und errangen auch in etlichen traditionellen Labour-Hochburgen die Mehrheit. Die Konservativen wollen nach den Worten Camerons nun Kurs darauf nehmen, bei allgemeinen Wahlen die Macht in der Downing Street zu erobern. Sie wollten aber nicht „auf dem Rücken einer versagenden Regierung“ an die Macht gelangen, sondern aktiv ihre Politik erläutern und zeigen, dass und wie sie Großbritannien führen könnten.

Wann Parlamentswahlen stattfinden, ist noch jedoch völlig unklar. Als Premierminister kann Brown die Ansetzung der Wahlen noch bis Anfang 2010 hinausschieben. Angesichts der jetzigen Niederlage bei den Kommunalwahlen in England und Wales rechnen politische Beobachter zudem mit Auseinandersetzungen um die Amtsführung des glücklosen und in wachsendem Maße unpopulären Premierministers.

Beschimpfungen und Beleidigungen

Die Urnengänge waren als Stimmungstest für Brown gesehen worden, der im vergangenen Juni Tony Blair als Premierminister und Parteichef abgelöst hatte und bislang nicht durch eine Wahl im Amt bestätigt wurde. Hochgerechnet auf das gesamte Land kam Labour nach einer Analyse des Senders BBC auf einen Stimmenanteil von lediglich 24 Prozent. Die oppositionellen Konservativen liegen demnach mit 44 Prozent um 20 Prozentpunkte vor der Regierungspartei. Die Liberaldemokraten kamen auf 25 Prozent.

Mit Spannung wurde die Auszählung der Stimmen in London erwartet, wo sich der linke Labour-Politiker und Bürgermeister Ken Livingstone und sein konservativer Herausforderer Boris Johnson einen erbitterten Wahlkampf um das höchste Amt der Metropole geliefert hatten. Das von gegenseitigen Beschimpfungen und persönlichen Beleidigungen begleitete Duell war weithin als „Stellvertreter-Wettkampf“ für Brown und Cameron angesehen worden.

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