Weltenergierat wertet rot-grüne Energiepolitik als „nicht nachhaltig“
Konkurrenz um Gas und Öl wird schärfer

Die Energiepolitik der rot- grünen Bundesregierung ist auf die steigende Weltnachfrage nach Öl, Gas und Kohle schlecht eingestellt. Sie droht damit die Ziele einer nachhaltigen Versorgung zu verfehlen. Diese Einschätzung vertritt Gerhard Ott, Präsident des Deutschen Nationalen Komitees beim Weltenergierat.

ESSEN. „Die zentrale Aufgabe der nächsten 20 Jahre muss sein, einen wirtschaftlichen Zugang zu den fossilen Energieträgern zu sichern“, sagte Ott dem Handelsblatt. „Eine Politik, die den nationalen Energiemix über Atomausstiegsbeschlüsse und Subventionen für erneuerbare Energien umsteuern will, wird den globalen Herausforderungen nicht gerecht.“

Der 1923 gegründete Energierat (World Energy Council, WEC), dessen 19. Weltkonferenz heute in Sydney beginnt, ist ein Zusammenschluss von Vertretern der Energiewirtschaft aus 96 Ländern. Er verfügt daher über besondere Expertise in globalen Energiefragen. Ott schlägt mit seiner Kritik in dieselbe Kerbe wie die deutsche Industrie, die sich soeben mit einem Memorandum an die Regierung gewandt hat.

Basis seines Urteils ist die Voraussage, dass der stark wachsende Bedarf in den asiatischen Boomländern noch auf Jahrzehnte für eine steigende Nachfrage nach fossiler Energie sorgen wird – selbst wenn zugleich die Preise steigen. Damit zeichne sich vor allem bei Öl und Gas eine bedenkliche Nachfragekonkurrenz ab, warnt Ott: „Der asiatisch-pazifische Raum wird sich verstärkt um die selben Ressourcen bewerben wie wir.“ Eine einseitige Fokussierung auf Erdgas und erneuerbare Energien weise daher in die falsche Richtung. Zwar geht auch der WEC davon aus, dass der Anteil fossiler Energieträger am globalen Energiemix bis zum Jahr 2050 sinken wird – und zwar zu Gunsten von Kernkraft und erneuerbaren Energien von bisher 80 auf unter 70 Prozent. Doch zugleich werde sich der Energieverbrauch insgesamt fast verdoppeln. Damit steigt die Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle in absoluter Menge trotzdem an. „An der dominierenden Rolle der fossilen Energien wird sich bis 2050 nichts entscheidendes ändern“, betont Ott.

Das deckt sich mit der Prognose der Internationalen Energie-Agentur, derzufolge der Anteil von Öl, Gas und Kohle bis 2030 sogar von 80 auf 83 Prozent steigen wird. Der Befund ist aber umstritten: „Durch steigende Preise wird der ökonomische Anreiz zu einer effizienteren Energienutzung weltweit stark wachsen“, betont der Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler. Diesen Gegeneffekt blendeten die Prognosen weitgehend aus.

Unumstritten ist aber, dass die Bedeutung von Erdgas für Deutschland erheblich wachsen wird: Abgesehen davon, dass Gas unter Klima-Aspekten als sauberer Energieträger gilt, werden Wind- und Sonnenenergie den beschlossenen Atomausstieg nicht kompensieren können. Nach der Esso-Energieprognose wird Gas seinen Anteil am deutschen Primärenergieverbrauch bis 2020 von 23 auf 33 Prozent steigern. Und die für Deutschland sehr wichtigen russischen Gasquellen liegen im Zentrum der Nachfragekonkurrenz mit den künftigen Wirtschaftsriesen China und Indien.

Seite 1:

Konkurrenz um Gas und Öl wird schärfer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%