Weltfinanzgipfelgipfel
Die Macht der Bilder

Auf dem G20-Gipfel in London werden Unmengen von Fotos produziert. Beste Gelegenheit für einen Politiker, sich ins rechte Licht zu setzen. Das weiß auch Barack Obama zu nutzen, er verbreitet vor allem gute Laune.

LONDON. Es ist Donnerstag früh, und der Präsident ist schon wieder bester Stimmung. Barack Obama in tadellos sitzendem dunklem Anzug mit roter Krawatte, soeben hat er das Vieraugengespräch mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak hinter sich. Sie haben über den Einsatz von Südkorea in Afghanistan gesprochen und über das schwierige Verhältnis zu Nordkorea. Für die Fotografen haben sie sich zusammengesetzt, die Kamera-Meute produziert sofort gleißendes Blitzlicht.

Und Obama nutzt die Gelegenheit, wie so oft, wie selbstverständlich, lässig, amerikanisch. Freundschaftlich legt er Lee Myung Bak die Hand auf die Schulter. Südkorea, sagt der US-Präsident, „ist einer von Amerikas engsten Verbündeten und größten Freunden“. Und, zum Einsatz in Afghanistan: „Danke für ihren außerordentlichen Beitrag.“

Gute Stimmung, Lachen, Zuwendung. Schon wieder hat US-Präsident Obama eines jener Bilder produziert, die vom G20-Gipfel um die Welt gehen, von London aus, von seiner ersten Europa-Tour als Amerikas Mann Nummer eins, als Krisenmanager. Wo Obama ist, vermitteln diese Bilder, da ist trotz aller Anspannung auch Entspannung. Das ist die Aufgabe dieser Bilder, mehr aber auch nicht. Als ein Reporter Obama zuruft, was er denn von Nordkoreas umstrittenem Projekt einer Satelliten-Rakete halte, da bleibt er stumm.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrieländer sind am gestrigen Donnerstag im ExCel-Zentrum in den Docklands im Osten der britischen Hauptstadt zusammengekommen. Die G20- Gruppe will Auswege aus der schwersten ökonomischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg finden. Dabei soll eine tiefgreifende Reform des globalen Finanzsystems auf den Weg gebracht werden, um Zusammenbrüche von Banken und anderen Finanzinstituten zu verhindern.

Die Welt aber schaut vor allem auf Obama, wie er mit wem umgeht. Und deshalb sind die Bilder so wichtig, ist die Stimmung entscheidend. Wünsche an die europäischen Partner lassen sich auch geschickt in Komplimente packen. Europa soll Obama aber vor allem als jemanden erleben, der erst zuhört, dann lernt – und dann führt.

Auch Englands Regierungschef Gordon Brown darf das erfahren. Kerzengerade steht Obama am Vorabend des Gipfels hinter dem hölzernen Rednerpult im goldverzierten Locarno-Saal im Londoner Außenministerium. Den Kopf hält er mit höflich konzentriertem Blick nach rechts gewendet, minutenlang, während sein Gastgeber Gordon Brown mit charakteristisch hängender Kinnlade eins-zwei-drei-vier-fünf die wichtigsten Themen für den G20-Gipfel herunterrattert.

Dann spricht Obama. Ruhig und langsam, mit sparsamen Handbewegungen. Demonstrativ lehnt er den Oberkörper Fragestellern zu und antwortet ihnen ausführlich. Nicht nur sein Anzug sitzt ihm besser als Brown, auch jede Geste, jedes Wort sitzen perfekt. Als er Browns Vorarbeit für den Gipfel lobt, strahlt der wie ein Schulbube, der vom Lehrer eine Eins bekommt.

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