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Hoch, höher, am höchsten

In 14 Jahren hat sich in New York einiges verändert. Vor allem, wenn man vorher im vergleichsweise winzigen Mailand gelebt hat. Trotzdem: So ganz muss man auch in der Millionenmetropole nicht auf Italien verzichten.
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New York City„Hach, bist du groß geworden“ dieser verhasste Ausspruch von Tante und Onkel, die einen nach Jahren wieder sehen, kommt mir in diesen Tagen in den Sinn: „Hach, bist du hoch geworden“ denke ich mir oft, seit ich vor einem Monat nach 14 Jahren Pause wieder zurück nach New York gezogen bin.

Überall baut New York in die Höhe, ob in Brooklyn, Queens oder Manhattan. Dort nicht immer sonderlich sicher, wie ich vor ein paar Tagen von den protestierenden Bauarbeitern direkt vor dem Edel-Kaufhaus Bloomingdales erfuhr. Genau an diesem Ort war wenige Tage vorher ein Gebäudeteil mitten auf den Bürgersteig gestürzt. Die Arbeiter demonstrieren für bessere Sicherheitsbedingungen. Ihr Slogan ist nicht „America First“, sondern „Safety First“.

In die Höhe sind auch die Wohnungspreise geschossen, wie ich leider feststellen musste. In meinem geliebten Brooklyner Stadtteil „Park Slope“, haben sich die Preise mehr als verdoppelt, seit ich hier das letzte Mal gewohnt habe. Dafür arbeiten meine Nachbarn jetzt bei der SEC, Sotheby`s oder Private Equity-Fonds. Andere haben Start-Ups gegründet und verkauft und arbeiten gar nicht mehr. So ist das mit der Gentrifizierung. Womit meine Nachbarn, die sich angeblich bei einer Reality-Koch-Show kennengelernt haben, ihr Geld verdienen, muss ich allerdings noch herausfinden.

Bevor ich zurück New York nach New York gezogen bin, habe ich in Mailand gewohnt. Auch dort wurde zuletzt viel in die Höhe gebaut. Im Vergleich zu New York ist die italienische Finanzhauptstadt aber winzig. Dennoch muss ich die Italiener auch hier nicht missen, wie ich schon feststellen konnte. Und das nicht nur in Little Italy: Der CEO des Pharma-Konzerns Bristol-Myers Squibb ist ebenso Italiener wie der Besitzer der US-Bekleidungs-Ikone Brooks Brother’s oder der Chef des Kosmetik-Riesen Estee Lauder.

Sogar der amerikanischste Schmuckhersteller der Welt, Tiffany hat zuletzt auf Druck von (wohlgemerkt amerikanischen) Aktionären, einen Italiener an Board geholt: Den Bulgari-Erben Francesco Trapani. Vor allem wenn es um das Schöne im Leben geht, können auch die Amerikaner ganz offensichtlich nicht auf den italienischen Touch verzichten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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