Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Britische Bauarbeiter finden kleinen Schatz
Zeitreise mit Tamagotchi

Die Nachricht versetzte Millionen Briten in ihre Kindheit zurück: Ein Schatz ist aufgetaucht – der blaue Peter. Bei Ausgrabungen buddelten Bauarbeiter versehentlich eine Zeitkapsel aus. Eine Weltgeschichte.
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LondonEs ist ein Kindheitstraum: Beim Graben stößt man auf einen großen, merkwürdigen Gegenstand. Ein Schatz? Mit alten Goldmünzen oder antikem Schmuck? Oder Dinosaurierknochen? Ab und zu kann man schließlich eine spannende oder auch lukrative Entdeckung im Erdboden machen. Doch was die Bauarbeiter dieser Tage im Südosten Londons ausbuddelten, war keineswegs lukrativ. Aber er brachte Millionen Briten Kindheitserinnerungen zurück. Denn was die Bauarbeiter fanden, war eine silberne Röhre, hüfthoch, mit einem blauen Segelschiff darauf. Und einem Namen: Der Blaue Peter.

Millionen Briten horchen da auf. „Blue Peter“ ist in Großbritannien ein Begriff. Es ist der Name einer Kindersendung der BBC, die seit 1958 ausgestrahlt wird und damit die älteste TV-Show für Kinder in der ganzen Welt ist. Die Sendung hat in Großbritannien Kultcharakter. Ähnlich wie die deutsche „Sendung mit der Maus“ oder „Peter Löwenzahn“ erklären die Moderatoren die Welt, besuchen eine Käsefabrik, basteln oder backen einen Kuchen. Die Sendung startete im Schwarz-Weiß-Fernsehen und ist noch heute zu sehen.

1971 wurde im Rahmen der Sendung eine Zeitkapsel vergraben, vor dem Gebäude der BBC, neben einem kleinen Bäumchen. Das Interesse der zuschauenden Kinder war groß, hunderte schrieben dem Sender zu dem Thema. 29 Jahre später wurde die Kiste ausgegraben und geöffnet. Darin: Klatschnasse Bücher. Es war Wasser in die Kiste eingedrungen.

Es wurde damals beschlossen, wieder etwas für die kommenden Generationen zu vergraben – diesmal zwei Kapseln. Eine sollte 2029 wieder ans Tageslicht kommen, die andere 2050. Die Zuschauer durften Vorschläge machen, was man der nächsten Generation präsentieren wolle.

Das Ergebnis: 1998 wurde eine Spice-Girls-CD eingepackt, ein Tamagotchi, eine VHS-Kassette, eine Betamax-Kassette, eine Teletubby-Puppe, ein Insulinstift und ein Asthma-Inhalationsgerät. Auch ein Foto von Prinzessin Diana, die ein Jahr zuvor ums Leben gekommen war, wurde in die Röhre gesteckt. Die Gegenstände wurden bei den Bauarbeiten für den Londoner Millennium Dome vergraben – dem immer noch größten Kuppelbau der Welt, wenngleich das Gebäude mittlerweile in O2 Arena umbenannt wurde. Nun wurde die Kapsel bei Bauarbeiten versehentlich entdeckt, 33 Jahre zu früh. Sie soll wieder vergraben werden, aber mit neuem Inhalt. Die BBC nimmt noch Vorschläge an.

Wir hätten da ein paar: Aus Sicht der jungen Zuschauer sollten bestimmt Harry-Potter-Bücher reinkommen, vermutlich ein Smartphone und ein Selfie-Stick. Und wie wäre es darüber hinaus mit einem Foto der Premierministerin Theresa May, händchenhaltend mit dem US-Präsidenten Donald Trump? Dem gerade vorgelegten „White Paper“ der britischen Regierung für den geplanten Austritt aus der Europäischen Union? Da wäre es ja vielleicht auch nicht so schlimm, wenn wieder Wasser in die Röhre eintritt.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

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