Whistleblower
Assange-Anwalt ohne Vertrauen in US-Justiz

Das Manning-Urteil, die Jagd auf Snowden – Whistleblower verfolgt die Justiz mit Härte. Dagegen kämen Ex-Präsident George W. Bush und andere ungeschoren davon. Für den US-Anwalt Ratner eine „schreiende Ungerechtigkeit“.
  • 4

WashingtonDer US-Menschenrechtsexperte und Anwalt von Wikileaks-Gründer Julian Assange, Michael Ratner, hat die Verfolgung von Whistleblowern in den USA als „schreiende Ungerechtigkeit“ bezeichnet. Er habe jedes Vertrauen in das amerikanische Justizsystem verloren, sagte er dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Die Flucht sei die einzige Option, die Menschen bleibe, die Missstände im Staatsapparat aufdeckten.

Das harte Urteil gegen den Soldaten Bradley Manning, der der Enthüllungsplattform Wikileaks Abertausende Geheimdokumente zugespielt hatte, sei ein beunruhigender Präzedenzfall, sagte Ratner. Sollten die Amerikaner den abtrünnigen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden, der die Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes öffentlich gemacht hatte, in die Hände bekommen, „würden wir ihn nie wiedersehen“, sagte Ratner. Dagegen kämen Ex-Präsident George W. Bush und seine Kabinettsmitglieder ungeschoren davon, obwohl zweifelsfrei feststehe, dass sie Folter und einen illegalen „Angriffskrieg“ im Irak autorisiert hätten.

Ratner hat das Center for Constitutional Rights in New York geleitet und ist Präsident des Europäischen Zentrums für Verfassungs- und Menschenrechte in Berlin. Zu seinen Mandanten zählt der Wikileaks-Aktivist Julian Assange, der seit einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt und dem in Schweden der Prozess wegen Vergewaltigung gemacht werden soll.

Ratner betonte, Assange würde sich den Vorwürfen stellen, wenn er nicht befürchten müsste, an die USA ausgeliefert zu werden.

Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent

Kommentare zu " Whistleblower: Assange-Anwalt ohne Vertrauen in US-Justiz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Warum wird immer der Bush herangezogen, um den Unrechtsstaat USA vorzuführen? Der jetzige Präsident Ohrbama, lässt sich jede Woche eine Kill-list ins oval Office bringen. Dort sitzt er dann mit nem Kaffee in der einen Hand und nem Kuli in der anderen , schließt die Augen und macht Punkte auf die Liste. Ein General schiebt diese Liste rauf und runter, damit der Zufall mitspielt. Die Namen mit punkt werden dann getötet/ermordet. Dieses Spielchen zum Zeitvertreib wird seit Jahren wöchentlich einmal gemacht. Obama ist ein Mörder! und keiner zeigt ihn an. Der hat sogar den Friedens Nobel Preis. Also Grund genug niemanden dorthin auszuliefern.

  • PS: es täte dem Artikel wirklich gut, wenn darauf hingewiesen würde, daß einvernehmlicher Sex NUR in Schweden als "Vergewaltigung" gewertet werden kann - sonst nirgendwo.
    Diese Vorwürfe (und die Umstände wie sie zustande kamen - eines der "Opfer" ist mit US-Geheimdiensten verbunden) dienen offensichtlich nur dazu, Assange erst nach Schweden zu bekommen und dann in den "Rechtsstaat" USA zu verbringen, wo ihm dann der Prozeß gemacht wird, für ein nicht existierendes Vergehen - zumal er nicht einmal US-Staatsbürger ist.
    Aber ein IMPERIUM setzt halt andere Maßstäbe!

    Wieder ein Grund zu sagen: AMI GO HOME

    Wir brauchen die Besatzer hierzulande nicht mehr und wollen sie auch nicht.

  • Aber Herr Ratner, das kann doch gar nicht sein. FDP-Kubucki erklärt den Deutschen, Snowden sei ein Verräter. Und mit einem guten Anwalt würde er sicherlich freigesprochen.

    Wer hier nicht begreift, was tatsächlich für eine groteske Schmierenkomödie aufgezogen wird, wer noch Vertrauen in die Politiker und den Staat hat, der ist verloren!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%