Widersprüche
Hoon muss nochmals vor den Kelly-Ausschuss

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon muss erneut vor dem Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Kelly-Affäre erscheinen. Dies wurde am Montag zur Eröffnung der zweiten Phase der richterlichen Untersuchungen in London mitgeteilt.

HB LONDON. Wie ein Berater der Kommission am Montag mitteilte, würden Hoon und der zurückgetretene PR-Chef von Premierminister Tony Blair, Alastair Campbell, nochmals für den kommenden Montag vorgeladen. Sie sollen zu den Widersprüchen im Verlauf der bisherigen Zeugenvernehmungen befragt werden. Blair dagegen müsse nicht mehr aussagen. Kelly hatte sich das Leben genommen, nachdem er öffentlich als Quelle eines regierungskritischen BBC-Berichts genannt worden war. In dem Bericht wurde der Regierung vorgeworfen, die Bedrohung durch den Irak zur Rechtfertigung des Krieges aufgebauscht zu haben. Blair ist im Zuge der Affäre in die größte Glaubwürdigkeitskrise seiner sechsjährigen Amtszeit geraten.

Hoon war in Zusammenhang mit dem Streit um das Irak-Waffendossier der Regierung vorgeworfen worden, ihm zugeleitete Bedenken der Geheimdienste über den Inhalt des Dossiers verschwiegen zu haben. Auch hatte der Verteidigungsminister zugeben müssen, dass sein Ministerium möglicherweise „nicht genug“ getan habe, um seinen Angestellten David Kelly zu schützen.

In den kommenden zwei Wochen sollten weitere Regierungsvertreter und BBC-Mitarbeiter als Zeugen vernommen werden, sagte der Berater der Untersuchungskommission. Sie könnten von den Anwälten aller Beteiligten ins Kreuzverhör genommen werden. Auch der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, John Scarlett, solle erneut vor der Kommission aussagen. Hoon war im Zuge der Kelly-Affäre massiv in die Kritik geraten. Er gilt als Rücktrittskandidat und damit als potenzielles Bauernopfer, um die Kritik von Blair abzulenken.

Die von Richter Lord Hutton geleitete Untersuchung geht in dieser Woche in die zweite Runde. Die Kommission soll die Umstände klären, die zum Tode Kellys geführt haben. Blairs Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit hat nicht nur wegen der Kelly-Affäre gelitten, sondern auch, weil bislang keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden wurden. Deren Existenz hatten Großbritannien und die USA als Kriegsgrund angeführt. Die Regierung hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Bedrohung durch den Irak dramatisiert zu haben.

Kelly (59) hatte sich Mitte Juli das Leben genommen, nachdem sein Name in der Presse als Quelle für einen umstrittenen BBC-Bericht über die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein genannt worden war. In dem Bericht war der Regierung vorgeworfen worden, das Dossier vom September 2002 „aufgebauscht“ zu haben. Auch Andrew Gilligan, Autor des BBC-Berichts, soll erneut vor dem Ausschuss erscheinen. Am Montag sollte BBC-Generaldirektor Greg Dyke vernommen werden.

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