Wie das Schwarze-Peter-Spiel zwischen Iran und den USA um Irak läuft
Vom Feind zum Freund?

Mit einem Schwarze-Peter-Spiel machen die USA und der Iran gegenseitige Annäherungsversuche. Vor allem die katastrophale Lage im Irak zwingt zur Zusammenarbeit. Nur will keiner der beiden Erzfeinde Teheran und Washington den ersten Schritt machen.

TEHERAN. Der Iran und die USA pokern derzeit mit hohem Einsatz um neue bilaterale Beziehungen. Der Einsatz ist dabei vor allem der Irak: So hat Teheran zwar seine vollständige Unterstützung des vom Bürgerkrieg gezeichneten Nachbarn angekündigt und „alle Hilfe bei der Schaffung von Sicherheit und Ordnung" versprochen. Zugleich streckte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad auch Washington seine Hand aus: „Wir sind bereit, den USA im Iran zu helfen", sagte er vor dem Treffen von US-Präsident George W. Bush und dem irakischen Premier Nuri al-Maliki. Zugleich verlangte Ahmadinedschad aber von Washington das faktisch Unannehmbare: Als ersten Schritt den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak. Denn Verhandlungen der Iraker mit ihren Besatzern machten laut dem hitzkopfigen Teheraner keinen Sinn. „Die USA müssen ihre Schikanen einstellen und ihre Politik in der Region ändern", verlangte Irans Präsident.

Die USA denken seit dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Parlamentswahlen über einen Strategiewechsel im Irak nach: Um das Zweistromland zu befrieden solle eventuell sogar ein Dialog mit dem verfeindeten Iran und Syrien aufgenommen werden. Dabei schieben sich Teheran und Washington gegenseitig den Schwarzen Peter zu, um den jeweils anderen den ersten Schritt machen zu lassen. „Iran weiß ja, wie er an den Verhandlungstisch kommt", spielte der Chef des Weißen Hauses auf die Forderung an, die Mullahs müssten ihr Atomprogramm stoppen. Über alle politischen Lager hinweg wird die Atomfrage im Iran aber für „eine Frage der nationalen Ehre" gehalten. Europa, Russland und China suchen in Verhandlungen so einen Weg, eine nukleare Bewaffnung des Iran zu verhindern.

Im Irak wird die Lage immer bedrohlicher

Die Lage im Irak hat sich derweil noch weiter zugespitzt, weil sich die vom Milizenführer Muktada al-Sadr in der Regierung vertretene schiitisch-islamische Bevölkerungsmehrheit aus dem Kabinett zurückgezogen hat – als Protest gegen das Treffen Malikis mit Bush. Der arabische Fernsehsender "Al-Jazeera" kommentierte al-Sadrs Schachzug als „klare Handschrift Teherans". Saeed Laylaz, politischer Analyst in Teheran, wies dies zurück: Es gebe keinen Hinweis, dass iranische Offizielle al-Sadr zum Rückzug der schiitischen Glaubensbrüder aus der irakischen Regierung gedrängt hätten.

Der „Iran ist aber ein wichtiger Power-Broker im Irak und zwischen den dortigen Milizen", meint Jasin Azawi vom Magazin „Inside Iraq": „Irans Einfluss dort ist gewaltig", denn die Schiiten stellten im Iran und im Irak die Mehrheit. Allerdings habe der Iran auch kein Interesse an einem im Bürgerkrieg versinkenden Irak und einer Destabilisierung der gesamten Region. Der Iran ist nach übereinstimmender Meinung von Experten durch die schwere Lage der USA im Irak deutlich aufgewertet worden – obwohl Washington die Mullahs isolieren wollte. Ein Einbeziehen Irans in eine Irak-Loesung wäre ein heftiger Rückschlag für Bushs Theorie der "Achse des Bösen", auf der seine Aussenpolitik basiert.

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