Wikileaks enthüllt
Nordkorea verliert Pekings Schutz

Die Enthüllungen von Wikileaks geben auch interessante Einblicke in das Verhältnis von China zu Nordkorea. Chinas Vizeaußenminister Ha Yafei soll Nordkorea den Depeschen zufolge ein "verzogenes Kind" genannt haben. Peking scheint nicht mehr voll hinter seinem Schützling zu stehen.
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HB PEKING/TOKIO. Mit Raketentests wolle Pjöngjang bloß die Aufmerksamkeit der Amerikaner erregen, heißt es weiter in den Dokumenten. Andere relevante Mitglieder der Kommunistischen Partei sollen Diplomatenberichten zufolge einer Wiedervereinigung unter der Führung des wirtschaftsstarken Südkorea nicht abgeneigt sein. Bisher sah es so aus, als würde China fest zu seinem Schützling stehen: Egal, wie sich Nordkorea außenpolitisch daneben benahm, Peking kritisierte das Regime in Pjöngjang allenfalls sehr milde. Eine Wiedervereinigung unter Führung Südkoreas ist inakzeptabel, wiederholten chinesische Diplomanten unermüdlich - schließlich hätten die Chinesen damit einen engen US-Verbündeten direkt vor der Haustür stehen. Doch in Peking scheinen nicht alle Parteimitglieder hinter dieser Politik zu stehen. Das zumindest suggerieren die Dokumente, die die britischen Zeitung „The Guardian“ aus den Wikileaks-Enthüllungen zitiert.

Es war allerdings kein Chinese, sondern ein Koreaner, von dem die brisantesten Informationen ursprünglich stammen - und der könnte es den Amerikanern auch gesagt haben, um ein bisschen Einfluss im Sinne seines Landes zu nehmen. Der damalige südkoreanische Vizeaußenminister Chun Yong-Wu hat den Dokumenten zufolge der US-Botschafterin Kathleen Stephens in Seoul verraten, dass junge Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas ihren Bündnispartner Nordkorea für unzuverlässig halten. Chun sagte auch, dass Beamte der Meinung seien, eine Wiedervereinigung unter dem Dach Südkoreas sei der bessere Weg für das verarmte Nachbarland.

Diese Einschätzung birgt in der Veröffentlichung zwar politischen Sprengstoff, sie passt jedoch durchaus zur Denkweise des marktorientierten Flügels der regierenden Kommunistischen Partei. China selbst hat sich in den vergangenen 30 Jahren eben nicht abgekapselt, sondern der Welt gegenüber geöffnet und die Marktwirtschaft eingeführt. Damit sind sowohl die Partei als auch das Volk hervorragend weggekommen. Die Armut ist praktisch überwunden, und es war das Wirtschaftswunder, das China letztlich Weltgeltung gebracht hat - nicht die Atombombe.

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  • Also, wer den Spiegel gelesen hat sollte eigentlich eher enttäuscht werden. Das interessanteste an dem Hype, wer eigentlich von der FDP da zum Heckenschütze wurde, scheint nämlich ausgeblendet zu werden. Man mache sich selbst ein bild:

    lastknightnik.wordpress.com/2010/11/30/wenn-hype-hyper-wird/

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