Wikileaks-Informant
Schlussplädoyers für Bradley Manning

Nun wird es ernst für Bradley Manning. Der nahende Richterspruch in Fort Meade könnte den Obergefreiten für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen. Für Wikileaks-Unterstützer bleibt er ein Held.
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Fort MeadeUnter scharfen Sicherheitsvorkehrungen haben im Militärprozess gegen den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning am Donnerstag die Schlussplädoyers begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25 Jahre alten Obergefreiten Unterstützung des Feindes vor und fordert lebenslange Haft. „Er war nur daran interessiert, es zu etwas zu bringen“, sagte Staatsanwalt Ashden Fein über den Whistleblower, der gestanden hat, Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben.

Stundenlang habe Manning nur nach Dingen gesucht, die Wikileaks interessieren könnten und dank seiner speziellen Ausbildung sehr genau gewusst, welche Konsequenzen ihm für seine Handlungen drohten.

Als eines von mehr als 160 Beweisstücken präsentierte Fein vor Gericht ein Foto, das Manning von sich gemacht haben soll, kurz bevor er die Dokumente abschickte. Es sei ihm vor allem darum gegangen, die Gunst von Wikileaks und dessen Chef Julian Assange zu gewinnen: „Es ist offenkundig, dass Manning so viel Informationen wie möglich sammelte, um Assange zu gefallen.“ Die Plattform bestehe im Grunde genommen nur aus „Informations-Anarchisten“, sagte Fein in seinem Vortrag.

Um ein geringeres Strafmaß für den Whistleblower zu erwirken, stellte die Verteidigung Anträge, die Anklagen wegen Diebstahls von Regierungseigentum aus Mangel an Beweisen fallen zu lassen. Die Richterin lehnte diesen Antrag jedoch ab.

Manning trug wie zuvor seine dunkelblaue Paradeuniform. Die Wortwechsel im Gerichtssaal verfolgte er gespannt und stumm und meldet sich nicht zu Wort. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden für die Schlussphase des Prozesses verschärft.

Das Verfahren vor dem Militärgericht in Fort Meade bei Washington ist der erste große Prozess gegen einen Whistleblower. Während seiner Stationierung im Irak 2010 soll Manning Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken gestohlen und an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht haben. Manning hat die Weitergabe gestanden, streitet aber jede böse Absicht ab.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wikileaks-Informant: Schlussplädoyers für Bradley Manning"

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  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/wikileaks-informant-bradley-manning-zu-35-jahren-haft-verurteilt/v_detail_tab_comments/8671590.html

    Eines ist auch klar nach dem Urteil: Es wird weiterhin Whistleblower geben - sie sind im Grunde keine Anarchisten, sondern Aufklärer, weil sie das Versagen von Politik offenbaren. Dieser Fall wirft doch auch weitere Fragen auf - wie kommte in Obergefreiter an 700.000 Dokumente von solcher Brisanz?

    Das ist nämlich das Problem in den USA: Es gibt faktisch keinen Datenschutz. Dies gilt auch im Fall der NSA. Mehr als 70 private Dienstleister arbeiten für die Sicherheitsbehörde - sicher ist dies nicht. Warum wird hier keiner verhört? http://www.piratenpartei.de/2013/08/16/echter-datenschutz-anstatt-augenwischerei Warum gibt es keine Verantwortlichen in höherer Position?

    Ich kann das Urteil nur zum Teil verstehen - was ich nicht verstehe, wie blindlings man der USA / NSA folgt bei den Menschenrechtsverletzungen, die systematisch sprich von Oben befehligt werden. Obama hätte hier ein Zeichen setzen müssen - vermutlich jedoch aus Angst vor Snowden und weiteren Datenlecks bei privaten Dienstleistern die Hand drüber gehalten.

    Wer bekommt noch 35 Jahre - z.B. wegen tausendfacher grob fahrlässiger Datenschutz- Überschreitung seit 2008?
    http://www.wz-newsline.de/home/politik/ausland/35-jahre-haft-fuer-wikileaks-informant-bradley-manning-1.1403043#commentsForm-512843

    Im letzten Kommentar gut geschrieben: Zivilcourage !

  • Das Urteil wird fallen, wie es "Verräter" zu erwarten haben. Aber: Sind Verräter Friedensnobelpreisträger?

    http://www.shortnews.de/id/1039922/us-gefreiter-bradley-manning-erhaelt-friedenspreis

    Am Samstag werden wir auch seine Masken bei den zahlreichen Demos tragen - wir brauchen Leute wie Manning und Snowden, weil andere nicht oder kaum informieren.

    Selbst der Bundespräsident hat den nächsten Friedensnobelpreisanwärter gelobt: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nsa-abhoeraffaere-gauck-lobt-snowden-fuer-dessen-enthuellungen/8552906.html

    Hätte Hr. Gauck auch Manning gelobt?1

  • In US-Amerika herrscht eine Demokratie wie in der damaligen DDR.

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