Wirtschaftliche Interessen
Durch Georgien fließt das Öl für Europa

Beim Krieg in Georgien stehen auch wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Denn unweit der Schlachtfelder liegt die BTC, die zweitgrößte Ölpipeline der Welt. Warum der Verlauf der Pipeline dafür sorgt, dass sich der Westen immer wieder auf die Seite von Präsident Micheil Saakaschwili schlägt.

DÜSSELDORF. Sie verbindet die Ölfelder im Kaspischen Meer bei Aserbaidschan mit der Türkei und gilt als wichtige Lebensader für den Westen. Am Wochenende meldete die georgische Regierung, die russische Luftwaffe habe Ortschaften in der Nähe der BTC bombardiert. Zwar wurde die Pipeline offenbar nicht getroffen. Doch im Westen wächst die Sorge, Russland könne versuchen, die Öl- und Gasversorgung an seiner Südflanke zu behindern.

Mit der BTC wollten sich Amerika und Europa unabhängiger von den Golfstaaten und von Russland machen. Durch die 2006 eingeweihte, mehr als 1 700 Kilometer lange Pipeline fließt täglich eine Million Barrel Öl gen Westen. Der Weg des Öls sorgt dafür, dass Georgien von größtem geostrategischem Interesse für die USA und Europa ist - und dass sich der Westen immer wieder auf die Seite von Präsident Micheil Saakaschwili schlägt. Sogar der geplante Nato-Beitritt Georgiens wird von US-Diplomaten mit der Bedeutung des Landes für die Energieversorgung begründet.

Christoph Weber vom Lehrstuhl für Energiewirtschaft an der Universität Duisburg-Essen sieht den Sinn der Ölleitung in erster Linie politisch: "Die BTC ist Teil der gesamten Mittelost-Politik der USA", sagt der Professor. "Sie zielt darauf ab, Iran zu isolieren und den russischen Einfluss zurückzudrängen." Matthew Yeomans, Autor des Buchs "Oil: Anatomy of an Industry": "Schon die Clinton-Regierung hat darauf bestanden, das Öl direkt in den Westen zu führen. Vorbei an Russland, vorbei an Iran." BP hält mit 30 Prozent die meisten Anteile an der BTC-Gesellschaft. 25 Prozent liegen bei Socar, dem staatlichen Ölkonzern Aserbaidschans, dann folgen mit Abstand Firmen aus den USA, Norwegen, Italien, Frankreich und Japan.

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