Wirtschaftslage
Wie Südafrika sich selbst demontiert

Korruption, Bürokratie, Rassismus: Südafrika wird mehr und mehr zum Krisenstaat. Eine Streikwelle bringt die Wirtschaft in die Schieflage, die Präsident Zuma ignoriert. Der Staat scheint nur noch einen Anker zu haben.
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KapstadtAls begnadeter Redner wird Südafrikas Präsident Jacob Zuma sicher nicht in die Geschichte eingehen. Selbst das Ablesen vom Blatt bereitet dem 71-Jährigen oft mächtig Probleme. Umso mutiger war es von seinen Beratern, ausgerechnet Zuma in der vergangenen Woche in den Ring zu schicken, um einer Reihe internationaler Handelshäuser zu versichern, dass Südafrika alles tun werde, um den jüngsten Einbruch seiner Wirtschaft zu stoppen. Der Grund: Einen Tag vor der Rede hatte Afrikas größte Volkswirtschaft Wachstumszahlen präsentiert, die viele Investoren schockiert und die Landeswährung Rand zum Absturz gebracht hatten.

Obwohl Zuma in seiner Ansprache diesmal etwas weniger langweilig daherkam, beschleunigte der Präsident zunächst sogar den Absturz der Währung, weil er weder konkrete Schritte ankündigte, um die tiefen Strukturprobleme zu beheben noch erklärte wie er den schwer angeschlagenen Bergbausektor unterstützen wolle, der immerhin für 50 Prozent der südafrikanischen Exporte verantwortlich ist.

Die eigentlichen Gründe für den schleichenden Niedergang der südafrikanischen Volkswirtschaft wie die ausufernde Korruption, das enorme Ausmaß der Bürokratie oder die Tatsache, dass die Hautfarbe am Kap inzwischen mehr zählt als die Kompetenz des Einzelnen, erwähnte Zuma hingegen erneut mit keinem Wort.

Die meisten Beobachter gingen mit seiner bislang vielleicht wichtigsten Rede im Zuge seiner vierjährigen Amtszeit entsprechend hart ins Gericht: Viel zu spät habe der Präsident versucht, ein brennendes Gebäude mit einem kleinen Eimer Wasser zu löschen. Dabei hätte er den Schwelbrand längst erkennen müssen, kritisierte das renommierte Johannesburger Wochenmagazin „Financial Mail“. Schneller als erwartet sei Südafrika nun in eine Schieflage geraten.

Zu den vielen Versäumnissen zählt das Blatt neben der schwachen Führung vor allem die wirtschaftsfeindliche Haltung der Regierung, eine inkompetente Verwaltung sowie die ausgeprägte Feindschaft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. „Südafrikas Wirtschaft ist seit dem Ende der Apartheid vor 20 Jahren nicht mehr so führungslos dahin getrieben“ schimpfte auch der Topökonom Iraj Abedian von Pan African Capital Holdings. Selbst die Rezession vor vier Jahren habe nicht so negativ gewirkt.

Kommentare zu " Wirtschaftslage: Wie Südafrika sich selbst demontiert"

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  • Ich lebe seit einem Jahr in Südafrika und mein Bild hat sich enorm verändert. Die heimische schwarze Bevölkerung hat noch nicht gelernt, mit der "neuen Freiheit" umzugehen und ist überwältigt von den Anforderungen des täglichen Lebens. Zu Zeiten der Apartheid war eben alles geregelt (wenngleich ich damit niemals die Apartheid befürworte!)

    Es ist so ein wenig vergleichbar mit der deutschen Wiedervereinigung, wo eben auch die Bürger im Ostteil Deutschlands über Nacht mit völlig neuen Aufgaben konfrontiert war, die man so niemals kannte. Angefangen von Versicherungen, Steuern bis hin zur Notwendigkeit einer Altersvorsorge auch durch private Initiative.

    Die Produktivität der schwarzen Südafrikaner ist tatsächlich häufig deutlich unter dem Niveau von Farbigen oder schwarzen Afrikanern anderer Länder. Das ist leider eine Tatsache und hat überhaupt nichts mit Rassismus zu tun. Wer es nicht glaubt, darf sich gerne vor Ort davon überzeugen.

    Woran es schlußendlich liegt, vermag ich nicht zu sagen. Aber tatsächlich sind die Farbigen (coloured) und "ausländischen" Schwarzen häufig fleißiger, zuverlässiger und zukunftsorientiert. Genau diese Fähigkeiten fehlen aber der Stammbevölkerung.

    Da nutzt es auch nichts, wenn Wohnungsprojekte von der Regierung als Wahlkampf-Masche realisiert werden. Muss der neue Hausbesitzer nichts selbst dafür tun, wird es nicht geschätzt und binnen kürzester Zeit ramponiert. Es fehlt der Ehrgeiz.

    Was leider auch nicht zu lesen war:
    Einige der schwarzen Politiker des ANC sind selbst Miteigentümer der Minen. Damit haben also am Ende Schwarze auf Schwarze schießen lassen und damit ihre eigenen Landsleute ermorden lassen.

    Leider ist das der breiten Masse von schwarzen Südafrikanern genauso wenig bekannt wie die Selbstbereicherung der ANC-Politiker z. B. dem feudalen Privatwohnsitz des Präsidenten.

    Südafrika hat noch keine gemeinsame Identität. Erst wenn diese realisiert wird, kann sich etwas bewegen. Und das hat nichts mit Schwarz-Weiß-Denken zu tun

  • Beim Lesen der Kommentare ist mir eines aufgefallen: Die meisten Kommentatoren vergessen die geschichtlichen Ereignisse des Landes. Die Weissen wurden im "neuen" Suedafrika, also in der Post-Apartheid Zeit, weder "vergraezt" noch sind die Eliten Ausgewandert. (Die Auswanderungswelle erfolgte sofort nach dem Machtwechsel aufgrund von Angst und jetzt wieder, durch Frustration (Arbeitslosigkeit, wachsende Kriminalitaet...))
    Mandela hat nach seiner Entlassung genau gewusst, dass er die weissen nicht Enteignen darf, da sonst auch das Know-How verloren geht. Das hat in den ersten Jahren auch wunderbar geklappt. Die Generalisierungen die hier teilweise zu lesen waren sind deshalb nicht angebracht.
    Viele Gespraeche die ich mit weissen Sued Afrikaner gefuehrt habe, deuten darauf hin, dass die meisten nicht daran denken auszuwandern, da sie sehr patriotisch eingestellt sind.

    Was meiner Meinung nach den suedafrikansischen Traum langsam platzen laesst, ist, dass zum einen die Probleme deutlich groesser und komplexer sind als gedacht und zum anderen die schwarz afrikanische Kultur sehr korruptions-affin ist, da Clan und Familienbande sehr stark sind und man deshalb sehr schwer "alleine" Karriere machen kann. Und eine korrupte Regierung ist ein sehr schlechtes Vorbild, besonders wenn politische Gruppen beider Seiten versuchen den Versoehnungsprozess zu torpedieren. Deshalb glaube ich lieben die Suedafrikaner auch so Mandela. Er hat es verstanden selbstlos zu regieren.

    Viele Gruesse
    Oliver

  • Detroit geht an zwei Ursachen zu Grunde, die von der mehrheitlich weissen, protestantischen, wohlhabenden Machttragenden Elite des amerikanischen ökonomishc-politischen Systems zu verantworten sind: 1.) Der fortschreitenden De-Indutrialisierung der USA bei der Konzentration auf die Finanzwirtschaft und einem excessiven Outsourcing von Produktion und 2.) groben und gröbsten Managmentfehlern in der amerikanischen Autoindustrie, die nhicht umsonst den Ansachluss an die europäischen und asiatischen Produzenten schon vor langer Zeit verloren hat.

    Aber pflegen Sie nur schön weiter Ihren Rassismus. Wenn's dem armen kleinen weissen Ego hilft und man das nötig hat.....

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