Wirtschaftspartner
Gute Geschäfte mit dem Klassenfeind

Trotz des seit Jahrzehnten geltenden Wirtschaftsembargos gegen Kuba sind die USA der fünftgrößte Wirtschaftspartner der kommunistischen Karibikinsel. Gegen Cash werden vor allem Medikamte und Nahrungsmittel auf die Insel geliefert. Wenn wirtschaftliche Logik gegen politische Animositäten obsiegt.

MANAGUA. Nur Venezuela, China, Kanada und Spanien treiben mehr Handel mit der Regierung von Staatschef Raúl Castro. Das geht aus einer Veröffentlichung des Nationalen Statistikbüros (One) in Havanna hervor. Demnach lieferten US-Unternehmen im vergangenen Jahr Waren für 582 Mill. Dollar nach Kuba.

Möglich macht das ein sechs Jahre altes Abkommen, das nach dem Wirbelsturm "Michelle" Ende 2001 geschlossen wurde und in dessen Rahmen US-Firmen Medikamente und vor allem Nahrungsmittel auf die Insel liefern dürfen - sofern die Regierung in Havanna bar bezahlt.

"Die wirtschaftliche Logik ist stärker als die politischen Animositäten", sagt Dan Erikson vom Washingtoner Forschungsinstitut Inter-American Dialogue. Er prognostiziert einen weiter ansteigenden Handel zwischen den Erzfeinden. Vor der kubanischen Revolution vor fast 50 Jahren waren die USA der wichtigste Handelspartner Kubas. Kurz danach verhängte Washington erstmals Sanktionen gegen die Insel, die seither mehrfach verschärft wurden. Die kubanische Regierung beziffert den wirtschaftlichen Schaden durch die Blockade auf rund 80 Mrd. Dollar.

Der Handelsaustausch mit Venezuela und China, den wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Partnern Kubas, belief sich vergangenes Jahr auf jeweils mehr als 2,5 Mrd. Dollar. In die Bilanz fließen bei Venezuela vor allem die rund 100 000 Fass Öl ein, die das Land jeden Tag zum Vorzugspreis nach Kuba liefert. China hingegen verkauft vor allem Konsumgüter und Infrastrukturhilfe nach Havanna. Bedingt durch die hohen Nahrungsmittelpreise gilt es als wahrscheinlich, dass der Wert des Warenaustausches zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba in diesem Jahr weiter zunimmt. Havanna kauft vor allem Mais, Weizen, Soja und Hühnchen in den Vereinigten Staaten. Bereits seit langem drängt die Landwirtschaftslobby in den USA darauf, das Verkaufsverbot nach Kuba zu lockern.

Noch vor fünf Jahren war die Europäische Union Kubas größter Auslandsinvestor und Wirtschaftspartner. Seit der Verhängung der inzwischen wieder aufgehobenen Sanktionen hat Havanna aber sukzessive die Zusammenarbeit mit Europa zurückgefahren und die mit befreundeten Staaten ausgebaut. Neben Venezuela und China drängen inzwischen vor allem Brasilien und Iran auf die Karibikinsel.

Europäisches Know-how werde nach Ansicht von Experten aber künftig wieder verstärkt von Kuba nachgefragt werden. Die Regierung in Havanna habe ein Interesse an einer Zusammenarbeit in den Bereichen Hochtechnologie, bei der Ölsuche und-förderung sowie bei Alternativenergien und der Wasseraufbereitung, sagt Wilhelm Boucsein, Kuba-Repräsentant Bayerns.

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