Wirtschaftsteam des US-Präsidenten gerät in die Kritik
Bush hat eine bunte Wirtschafts-Truppe

Was ergeben ein Cornflakes-Verkäufer, ein Eisenbahn-Führer, ein Spendensammler und ein Steuerexperte? Selbst Kenner der Politszene in Washington kommen nicht gleich darauf, dass es sich bei dieser kuriosen Mischung um das Wirtschaftsteam von US-Präsident George W. Bush handelt.

HB NEW YORK. Nun müssen gute Wirtschaftsberater nicht immer gleich Star-Ökonomen sein. Andererseits schadet es nicht, wenn man die besten Köpfe des Landes ins Weiße Haus holt, um die größte Volkswirtschaft der Erde zu steuern. Bush, so mokiert man sich in den Denkfabriken der amerikanischen Hauptstadt, wähle dagegen seinen Wirtschaftsstab eher nach politischer Loyalität und Zweckmäßigkeit aus als nach ökonomischem Sachverstand.

„Das Wirtschaftsteam des Präsidenten war noch nie so schwach wie heute“, urteilt Adam Posen, Ökonom am Institute for International Economics (IIE) in Washington. Der leicht untersetzte, rothaarige Volkswirt erinnert an die großen Tage von Bob Rubin und Larry Summers. Die beiden ehemaligen Finanzminister unter Präsident Bill Clinton genossen als Krisenmanager weltweites Ansehen und galten auf Grund ihrer Autorität innerhalb der Regierung als politische Schwergewichte.

Das kann man von John Snow, dem heutigen Chef des Schatzamtes, nicht unbedingt behaupten. Der ehemalige Manager der Eisenbahngesellschaft CSX ist nach Bushs Wiederwahl nur knapp dem vorzeitigen Ruhestand entgangen und hat keinen wirklichen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik. Sein Job ist es, die umstrittene Steuerpolitik des Präsidenten zu verkaufen und den schwachen Dollar stark zu reden. In seinem Ministerium sind zahlreiche Schlüsselpositionen unbesetzt.

Vakant ist auch die wichtige Position des US-Handelsbeauftragten. Nach dem Wechsel von Robert Zoellick ins Außenministerium wird das Spitzenamt von einem Interimschef geführt. Das Handelsministerium hat zwar mit dem ehemaligen Kellogg-Manager Carlos Gutierrez seit zwei Monaten einen neuen Chef. Seine Ernennung war allerdings das einzige, womit Gutierrez bislang Schlagzeilen gemacht hat.

Politische Beobachter wie Bruce Bartlett vom National Center for Policy Analysis führen die Vakanzen in der Administration auch darauf zurück, dass sich unter Bush das Machtzentrum für die Wirtschaftspolitik vom Finanzministerium ins Weiße Haus verlagert habe. „Ich habe den Eindruck, dass einige Kandidaten glauben, sie könnten ohnehin nichts ausrichten“, sagt der Polit-Profi.

Umso überraschender ist es, dass Bush auch in seinem engsten Beraterkreis nicht mit einer starken Mannschaft aufwarten kann. Zumal er mit der Renten- und Steuerreform zwei Wirtschaftsthemen an die Spitze seiner politischen Agenda gesetzt hat. Dem Goldman-Sachs-Veteranen Stephen Friedman folgte als Chef-Berater der weithin unbekannte Allan Hubbard – ein politischer Freund und Spendensammler des Präsidenten. Mit dem Ersatz von Harvard-Ökonom Greg Mankiw als Chef des Council for Economic Advisers hatte Bush ein besseres Händchen. Der Princeton-Professor Harvey Rosen gilt als Koryphäe in Steuerfragen. Rosen wird jedoch schon im Herbst an die Universität zurückkehren.

Die wichtigste Personalentscheidung seiner Amtszeit steht Bush allerdings noch bevor. Bis zum Ende des Jahres muss er einen Nachfolger für Notenbank-Chef Alan Greenspan finden. Da die Fed nicht unter der Fuchtel des Weißen Hauses steht, gibt es hier keinen Mangel an qualifizierten und politisch unabhängigen Köpfen. Die Amerikaner können sich damit trösten, dass die Notenbank ohnehin mehr Einfluss auf den Kurs der Wirtschaft hat als der Präsident.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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