Wirtschaftswachstum und Klimawandel
Afrikas Fluch und Segen

Afrika ist ein Kontinent der Gegensätze: Auf der einen Seite enormes Wirtschaftspotential, auf der anderen Seite Armut, Hunger und Korruption. Wie nur die Potentiale nachhaltig nutzen? Ein Gastbeitrag zur Klimakonferenz.
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MarrakeschVielversprechende Projekte entstehen zur Zeit rund um die Welt, um Armut sowie die Folgen von Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenausbeutung zu bekämpfen. Maßgeblich gestaltet werden sie von zwei sich gegenseitig bestärkenden Vereinbarungen: dem Pariser Klimaabkommen und der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung. Die Aussichten auf einen Erfolg sind gut, denn das Engagement von allen Beteiligten ist groß. Die eigentliche Arbeit fängt aber erst an, und viele Herausforderungen liegen noch vor uns.

Die gemachten Zusagen werden die globale Erwärmung nicht auf zwei Grad beschränken. Die Folgen werden gravierend sein – besonders für empfindliche Regionen und deren Bevölkerung. Regierungen müssen ihre nationalen Reduktionsziele erhöhen und konkrete, realistische Pläne entwickeln.

Die afrikanischen Staaten stehen vor einem beispiellosen Wachstum und können dabei das Modell für ihre Industrialisierung wählen. Ein grünes, nachhaltiges Wachstum würde auf ihrem umfangreichen Ressourcenpotenzial aufbauen und dem Kontinent einen Vorteil auf globalen Märkten sichern. Die größten Chancen für Afrika liegen hierbei in den Bereichen Energie, Städteplanung und urbane Mobilität sowie in der Landwirtschaft und Landnutzung.

Die zunehmend wettbewerbsfähigen erneuerbaren Energien in Afrika sichern für immer mehr Menschen den Zugang zu Strom und stellen eine Alternative zu umweltschädlichen Energiequellen dar.

Die Initiative „New Deal on Energy for Africa“ der Afrikanischen Entwicklungsbank koordiniert Bemühungen aller Akteure auf dem Kontinent. Auch Initiativen, die in Paris gestartet wurden, setzen auf den Zugang zu sauberen Energien.

Die urbane Bevölkerung in Afrika, die das ökonomische Wachstum des Kontinents antreibt, wird sich laut Schätzungen bis 2040 auf eine Milliarde verdoppeln. Ein Mangel an modernen Transportmitteln, bezahlbarem Wohnraum und Abfallentsorgung werden dem nicht gerecht werden können. Internationale Initiativen wie die C40-Städte-Gruppe und der globale Bürgermeisterkonvent sollen hier helfen.

Der globale Temperaturanstieg verursacht extreme Dürren, reduziert Ernteerträge und bedroht die Verfügbarkeit von Wasser. Die „Global Alliance for Climate Smart Agriculture“ hat sich das Ziel gesetzt, landwirtschaftliche Produktivität und Einkommen zu erhöhen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu stärken und Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Die Klimakonferenz COP 22, die heute in Marrakesch beginnt, wird helfen, diese Initiativen weiterzuentwickeln sowie neue Projekte zu initiieren, um das Pariser Abkommen und die Agenda 2030 umzusetzen. Sie bietet den afrikanischen Städten, Unternehmen und Investoren die einmalige Gelegenheit, das Potenzial nationaler und internationaler Partnerschaften zu erleben und ein gemeinsames Signal der Solidarität an die afrikanischen Regierungen und die Bevölkerung des Kontinents zu senden.

Kommentare zu " Wirtschaftswachstum und Klimawandel: Afrikas Fluch und Segen"

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  • Die Bevölkerungsexplosion in Afrika wird dazu führen, dass das Land immer weniger seine Bevölkerung versorgen kann. In wenigen Jahrzehnten wird es allein in Nigeria 800 Millionen Menschen geben, die schon jetzt aus nachvollziehbaren Gründen zu 40% das Land verlassen wollen.

  • Hallo Herr Schmid...Meines Erachtens tut die UN alles was den Organisationen möglich ist um gegen Hunger und Krankheiten vorzugehen. Allerdings ist die UN keine Weltregierung mit Weisungsbefugnis.

    Das "Weltklimaabkommen" hat jedem Staat die Möglichkeit gegeben sich eigene Ziele zu setzen. Es ist auch unverbindlich. Insofern können Staaten deren Regierungen an den "Klimawandel" als (öko)religiöse Weltuntergangskatastrophe glauben sich mit dem Abkommen in ein Mittelalter zurück begeben und andere Staaten beispielsweise eine Industrialisierung anstreben.

    Das ist im Sinne einer Religionsfreiheit sinnvoll, oder nicht?

  • Die Schwachstelle des Artikels ist da: "Regierungen müssen ihre nationalen Reduktionsziele erhöhen und konkrete, realistische Pläne entwickeln."

    Richtig wäre, dass das gemacht werden muss, wenn man das was man kolportiert erreichen will. Tatsächlich ist das aber nicht so! Ok, vielleicht werden die einzelnen Regierungen jetzt die angegebene Zahl für das Reduktionsziel bei der UN erhöhen. Das bedeutet aber nicht, dass dann tatsächlich etwas getan werden muss. Und ob ein Plan konkret und vor allem realistisch ist, bestimmt doch die einzelne Regierung selbst. Da passiert weltweit also gar nichts.

    Man kann das bei der UN sehr schön sehen, wenn es um die Bekämpfung von Hunger und Armut geht. Die Flüchtlingswelle überrollt uns, während bei der UN erzählt wird, dass sich alles bessert bzw. gebessert hat. Real gesehen liegt dahinter nur der Effekt, dass jedes Land dafür selbst verantwortlich ist, seine Zahlen zum Thema Hunger und Armut abzugeben, bzw. wird auf diplomatischen Weg dafür gesorgt, dass nur genehme Zahlen geliefert werden.

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