World Economic Forum
Staat soll bei Banken wie ein richtiger Aktionär agieren

Regierungen sollen sich als Anteilseigner großer Finanzinstitute mehr wie Kapitalisten und weniger wie Politiker verhalten. Das ist die Kernbotschaft einer Untersuchung, die das World Economic Forum (WEF) zusammen mit der Beratungsfirma Oliver Wyman durchgeführt hat. Das WEF warnt davor, die Management-Aufgabe staatlicher Beteiligungen zu unterschätzen.
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ZÜRICH. Es sei wichtig, dass die Staaten ihre Beteiligungen nach den Gesetzen der Ökonomie und nicht allein nach politischen Zielen managen würden. Der Steigerung des Shareholder Value für den Steuerzahler kommt demnach eine große Bedeutung zu.

Rund um den Globus haben Staaten mehr als 700 Mrd. Dollar ausgegeben, um ihre Banken während der Finanzkrise vor dem sicheren Untergang zu retten. Zu den bekanntesten Beispielen zählen die Citigroup in den USA, Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds in Großbritannien sowie die Commerzbank in Deutschland. In all diesen Fällen ist der Staat entweder der größte Einzelaktionär oder sogar im Besitz einer Aktienmehrheit. "Der Umgang mit den staatlichen Beteiligungen ist ein wichtiger Beitrag beim Aufbau einer neuen Finanzarchtitektur", sagte Allianz-Manager Paul Achleitner.

Die Regierungen stehen jetzt vor der Frage, wann und unter welchen Bedingungen sie sich aus den Finanzhäusern wieder zurückziehen können. "Dabei muss ein schneller Rückzug gegen den Schutz des Investments der Steuerzahler abgewogen werden", fordern die Autoren. Mehr als 100 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben zu der einjährigen Studie beigetragen. Angeführt wird die Gruppe von Top-Bankern wie Achleitner, Barclays-Chef Robert Diamond und Carlyle-Gründer David Rubenstein.

Die Autoren fordern die Regierungen auf, ihre Bankbeteiligungen von ihrem übrigen Krisenmanagement zu trennen, um politische Einflüsse zu minimieren. Zudem sei es wichtig, dass die Anteile "unabhängig" gemanagt würden und sich politische Einmischungen nur auf die Unternehmensführung der Banken, nicht aber im Tagesgeschäft niederschlagen würden. Die vom Staat entsandten Mitglieder der Aufsichtsgremien sollten möglichst unabhängig sein und die Interessen aller Aktionäre vertreten. Transparenz sei hier von entscheidender Bedeutung und sollte nicht nur die wirtschaftliche Erfolgsrechnung umfassen. Die Autoren verweisen in diesem Zusammenhang auf die Anforderungen, die zum Beispiel vom Internationalen Währungsfonds (IWF) für staatlich geführte Investitionsfonds entwickelt wurden.

Die Studie scheut auch nicht davor zurück, das heiße Eisen der Managervergütungen anzusprechen - wenn auch nur verklausuliert. So weisen die Autoren darauf hin, dass die Vergütungen für die Manager der Banken im Staatsbesitz wettbewerbsorientiert sein müssten. Ein deutliches Signal, dass man sich mit staatlichen Lohndeckeln nicht von den Marktgesetzen freimachen sollte. "Die Komplexität der Managementaufgabe erfordere spezialisierte Talente", heißt es in dem WEF-Papier.

Dass die Regierungen diese Fragen nicht durch einen schnellen Ausstieg aus den Banken umgehen können, zeigt sich am Beispiel Großbritanniens. Dort ist die Regierung mit über 40 Prozent bei Llyods beteiligt und hält sogar mehr als 70 Prozent der Anteile an der RBS. Die staatliche Holding hat klargestellt, dass angesichts der prekären Situation beider Institute an einen kurzfristigen Ausstieg nicht zu denken sei.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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