Zeit-Herausgeber
Joffe: Politik hat die Finanzkrise ausgelöst

In einem Gastbeitrag reagiert Josef Joffe auf die Selbstkritik von Konservativen. Er betont, dass der Staat Verantwortung für die Finanz- und Schuldenkrise zu tragen habe.
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DüsseldorfDie neuen Kritiker des Kapitalismus übersehen, dass der Staat eine wesentliche Mitschuld an der Finanz- und Schuldenkrise trägt. „Die „entfesselte Finanzmarktökonomie“ war das Fettauge, das jetzt mörderische Magenkrämpfe ausgelöst hat. Aber die Suppe hat der Staat angerichtet - fahrlässig, wohlwollend oder verantwortungslos“, schreibt Josef Joffe, Herausgeber der Wochenzeitung „Die ZEIT“, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Joffe reagiert damit auf die Zweifel einiger Konservativer, die der linken Kapitalismuskritik im Nachhinein Recht geben. Dazu gehört neben dem konservativen britischen Kolumnist Charles Moore auch FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. Joffe warnt davor, von einem allmächtigen Staat die Lösung der aktuellen Probleme zu erwarten. „Leider hat die Rolle des Staates, der inzwischen rund die Hälfte des Sozialprodukts verteilt, keinen Platz in der gängigen Kapitalismuskritik, verkörpert doch der Staat das Gute: Gemeinwohl und ausgleichende Gerechtigkeit. Aber wer zügelt den Staat?“

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Zeit-Herausgeber: Joffe: Politik hat die Finanzkrise ausgelöst"

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  • Uneingeschränkt Dank an Josef Joffe.
    Er ist endlich einer, der viel weiter als nur bis zwei zählen kann, was sonst Standard unserer Meinungsführer in Politik und Journalismus zu sein scheint. Endlich einer, der große Ursache-Wirkungszusammenhänge erkennt und richtig abwägt, der anspricht, dass die für die Spielregeln Verantwortlichen nicht zu erkennen scheinen, zu welchem gesellschaftlichen Chaos die Rahmenbedingungen führen müssen, die sie vorschreiben.
    Weiter so, Josef Joffe und alle, die erkennen, dass zwar die meisten unserer gegenwärtigen Meinungsmacher sehr viel von der psychologischen Steuerung von Lesern und Wählern verstehen, aber von der Spezies, zu der diese Leser und Wähler gehören, nämlich von ganz normalen Menschen und deren tatsächlichen Motiven offenbar keinen blassen Schimmer haben. Sie wissen weder, was Menschen brauchen, um ein lebenswertes Leben führen zu können, um in ihrem eigenen Lebensbereich persönliche Erfolgserlebnisse erzielen zu können,, die auch von der Gesellschaft Anerkennung erzielen, noch sind sie daran interessiert, sich die Folgeschäden ihrer Politik vorzustellen, die aus den sie auslösenden Folgeschäden entstehen, geschweige denn, sich noch längere Ketten von Folgeschäden vorzustellen, die unweigerlich immer dann entstehen müssen, wenn der Staat dem Bürger zu viele Eingriffsrechte abschwatzt.
    Wir Bürger brauchen Meinungsführer wie Joffe, die uns endlich die Augen öffnen um endlich nach Jahrzehntenaus dem Jammertal zu gelangen.

  • Uneingeschränkt Dank an Josef Joffe.
    Er ist endlich einer, der viel weiter als nur bis zwei zählen kann, was sonst Standard unserer Meinungsführer in Politik und Journalismus zu sein scheint. Endlich einer, der große Ursache-Wirkungszusammenhänge erkennt und richtig abwägt, der anspricht, dass die für die Spielregeln Verantwortlichen nicht zu erkennen scheinen, zu welchem gesellschaftlichen Chaos die Rahmenbedingungen führen müssen, die sie vorschreiben.
    Weiter so, Josef Joffe und alle, die erkennen, dass die meisten unserer gegenwärtigen Meinungsmacher zwar sehr viel von der psychologischen Steuerung von Lesern und Wählern verstehen, aber von der Spezies, zu der diese Leser und Wähler gehören, nämlich von uns ganz normalen Menschen und deren tatsächlichen Motiven offenbar keinen blassen Schimmer haben. Sie wissen weder, was Menschen brauchen, um ein lebenswertes Leben führen zu können, um in ihrem eigenen Lebensbereich persönliche Erfolgserlebnisse erzielen zu können, die auch von der Gesellschaft als solche Anerkennung finden, noch sind sie daran interessiert, sich die Folgeschäden ihrer Politik vorzustellen, die aus den diese auslösenden Folgeschäden entstehen,geschweige denn, sich noch längere Ketten von Folgeschäden vorzustellen, die unweigerlich immer dann entstehen müssen, wenn der Staat dem Bürger zu viele Eingriffsrechte abschwatzt.
    Wir Bürger brauchen Meinungsführer wie Joffe, die uns endlich die Augen öffnen, damit wir aus dem Jammertal gelangen.

  • Ja, auch der Staat bzw. dei Parlamente haben Mitschuld - das ist korrekt. Dem Staat unterliegt es als Kontrollorgan rechtzeitig einzuschreiten und die Gesetze zur Steuerung der Wirtschaft so zu gestalten, das die Wirtschaft nicht behindert wird, aber auch nicht zügellos ist. Überläßt man die Wirtschaft einfach sich selbst kann man damit rechnen, das Blasen aufgebaut werden die irgendwann platzen und die Dekadenz steigt.
    Die oberste Prämisse des Kapitalismus - ständiges Wachstum erbringen zu müssen - bedingt diesen Prozess, denn irgendwann hat jedes Wachstum einmal ein Ende. Gibt es dann keine "Regelung" mehr, dann wird sich das System in der Art verselbständigen, das es vom moralischen zum unmoralischen System wird (z.B. überteuerte Immobilien verkauft - siehe Hypobank in den 90zigern, unzureichende Sicherheiten akzeptiert - siehe USA wo Kreditkarten und Hauskredite an Sozialhilfeempfänger ausgegeben wurden und werden ect.) nur um das Wachstum zu erbringen. Insofern hat er Recht.

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