Zeitgleiche Anschläge
Fanatiker richten Blutbad unter irakischer Minderheit an

Regligiöse Fanatiker haben im Nordirak verheerende Selbstmordanschläge verübt, die sich gegen die Volksgruppe der kurdischen Jesiden richteten. Nach Angaben des irakischen Militärs starben mindestens 175 Menschen.

HB MOSSUL. Vier Selbstmordattentäter richteten mit der nahezu gleichzeitigen Explosion von Autobomben in Wohnsiedlungen bei Kahatanija 120 Kilometer westlich von Mossul ein Blutbad an. In anderen Berichten ist von fünf Tanklastwagen die Rede, die zur Explosion gebracht wurden. Die Zahl der Verletzten wurde von den Behörden mit rund 200 angegeben. Mindestens 30 Häuser wurden zerstört, wie der höchste Regierungsvertreter in dieser Region, Abdul Rahman al Schimiri, mitteilte.

Der 30-jährige Jasidi Chadir Schamu sagte, er habe mit einem Freund im Zentrum von Tal Asir den Abend genossen, als Explosionen die Stille zerrissen. „Mein Freund und ich wurden hoch in die Luft geschleudert“, sagte Schamu. „Ich weiß immer noch nicht, was ihm zugestoßen ist. Etwas später spürte ich, wie ich von Leuten zu einer Ambulanz getragen wurde.“ In dem Rettungswagen seien zwölf Verletzte gewesen, darunter ein Mann, dem beide Beine abgerissen worden seien. Nach eineinhalb Stunden qualvoller Fahrt sei er dann im Krankenhaus von Dahuk eingetroffen.

Der Bürgermeister von Sindschar, Dhakil Kassim, machte die Terrororganisation El Kaida im Irak für die Anschläge verantwortlich. „Die angegriffenen Leute sind arme Jesiden, die mit dem bewaffneten Konflikt nichts zu tun haben“, sagte Kassim. Dindschar liegt in der Nähe der attackierten Siedlungen.

Die Jesiden bilden eine Religionsgemeinschaft, deren Wurzeln in die vorislamische Zeit zurückreichen. Ihre Mitglieder sind zumeist Kurden. Die extremistische Organisation Islamischer Staat im Irak hat die Bewohner der Region vor einer Woche auf Flugblättern vor einem Anschlag gewarnt und die Jasidis als anti-islamisch bezeichnet. Auf irakischen Webseiten wurde außerdem ein Video verbreitet, das die Steinigung einer 18-Jährigen im April zeigen soll, die zum Islam übergetreten war. Sunnitische Rebellen drohten den Jesiden daraufhin mit Rache.

Der Terrorakt vom Dienstagabend war der schwerste seit dem 23. November vergangenen Jahres. Damals wurden bei der Explosion von fünf Autobomben 215 Bewohner von Sadr City getötet, einem schiitischen Stadtteil von Bagdad.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad wurde am Dienstag der stellvertretende Ölminister des Landes verschleppt. Unbekannte bewaffnete Männer hätten Dschaber al-Wagaa aus einem Bürogebäude entführt, berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die Polizei. Al- Wagaa werde an einem unbekannten Ort festgehalten. Wer hinter der Entführung steht war zunächst unklar.

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