Zug in Deutschland unterwegs
Castor-Gegner demonstrieren mit Trauerbändern

Auch nach dem Tod eines Demonstranten in Frankreich setzen die Atomkraftgegner im niedersächsischen Wendland ihren Protest gegen den Castor-Atommülltransport fort. Kirchen im Wendland blieben über Nacht für die Trauernden geöffnet, Demonstranten griffen Polizisten an.

HB GORLEBEN. Trotz des Todes eines Atomkraftgegners in Frankreich haben deutsche Demonstranten am Montag ihre Proteste gegen den Castor-Transport fortgesetzt. Der Zug mit den zwölf Atommüllbehältern erreichte ohne größere Zwischenfälle auf deutscher Seite am Nachmittag den Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg.

„Wir tragen unsere Trauer auf die Straße“, sagte Marianne Koch von der Initiative X-tausendmal quer. Die Traktoren der Bäuerlichen Notgemeinschaft waren mit schwarzen Trauerbändern behängt.

Am Nachmittag trafen sich nach Angaben der Initiativen mehrere hundert Atomkraftgegner zu einer gemeinsamen Trauerkundgebung im Wendland, nachdem bereits am Sonntagabend mehrere tausend Atomkraftgegner des getöteten Demonstranten gedacht hatten.

Die meisten Kirchen im Wendland waren über Nacht geöffnet geblieben, zahlreiche Menschen versammelten sich dort mit Kerzen zu Andachten. In Dannenberg sollten die Castoren auf Tieflader umgesetzt und die letzten 20 Kilometer auf der Straße ins Zwischenlager Gorleben transportiert werden.

An der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg kam es nach Angaben der Atomkraftgegner zu mehreren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Polizisten seien zum Teil mit Schlagstöcken gegen Atomkraftgegner vorgegangen, es habe auch Platzverweise und eine Festnahme gegeben.

Ein Polizeisprecher bestätigte die Platzverweise, wusste nach eigenen Worten aber nichts von Schlagstockeinsätzen und einer Festnahme. Zuvor hatten sich die Initiativen zur Fortsetzung ihrer Proteste entschlossen, obwohl am Sonntag in Lothringen ein Demonstrant von dem Atommüll-Zug überrollt und getötet worden war.

Die Stimmung unter den Atomkraftgegnern war von Trauer und Durchhaltewillen geprägt. Die Fortsetzung der Proteste sei nach den Signalen, die man aus der französischen Anti-Atom-Bewegung bekommen habe, wohl auch im Sinne des Verstorbenen, sagte Sprecherin Koch.

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg bedauerte, dass es nach dem Todesfall zu keiner Verständigung zwischen Polizei und Atomkraftgegnern im Wendland gekommen sei. Zwar habe es Gespräche nach dem Tod des jungen Mannes gegeben, sagte die Sprecherin Kathrin Grasnick. „Die oberste Einsatzleitung hat aber den Befehl, den Einsatz so schnell wie möglich durchzubekommen. Das haben die Gespräche mit der Polizei ergeben.“

Die Initiativen, die erstmals seit Jahren wieder einen höheren Zustrom von Atomkraftgegnern zu den Protesten verzeichnen, riefen nach dem Tod des Demonstranten zu Besonnenheit auf. Sie kritisierten das Vorgehen der Behörden.

„Entweder ist der hoch radioaktive Atommülltransport in Frankreich nicht besser gesichert als ein beliebiger Regionalzug. Oder der Tod von Demonstranten wurde bewusst in Kauf genommen“, erklärte die Bäuerliche Notgemeinschaft.

Rund 10 000 Polizisten und damit etwas weniger als vor einem Jahr sollen den Atommülltransport in Niedersachsen schützen. Unklar war, ob der Straßentransport der Castor-Behälter nach Gorleben noch in der Nacht oder erst am Dienstagmorgen stattfinden sollte.

Der deutsche Atommüll kommt aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague zurück und soll in Gorleben zwischengelagert werden. Gorleben ist neben Ahaus eines von zwei großen Atommüll-Zwischenlagern in Deutschland, ein Endlager gibt es noch nicht.

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