Zuglinie nach Tibet
Eisenbahn auf dem Dach der Welt

China eröffnet eine neue Zuglinie nach Tibet. Die erste Bahnverbindung auf das „Dach der Welt“ gilt als technische Meisterleistung, ist aber ökologisch und politisch umstritten.

PEKING. Wieder geht in China ein Traum in Erfüllung: Mit der Einweihung der höchsten Eisenbahnlinie der Welt wird die erste Zugverbindung nach Tibet eröffnet. Um 21.30 Uhr wird am Samstag die Jungfernfahrt vom Pekinger Westbahnhof mit politischen Ehrengästen und handverlesenen Journalisten zum 4 000 Kilometer entfernten Lhasa starten. Die erste Bahnverbindung auf das „Dach der Welt“ gilt als technische Meisterleistung, ist aber ökologisch und politisch umstritten.

Vor allem die Tibeter sehen den neuen Pendelverkehr als Bedrohung ihrer Kultur und Natur. Fast 2 000 Kilometer führt die Strecke von der Provinzhauptstadt Xining in des westchinesischen Nachbarprovinz Qinghai durch das einmalige Panorama der Kunlun- und Tanggula-Gebirge. Fast die Hälfte dieses Abschnitts liegt über mehr als 4 000 Metern Höhe. Zehntausende von Arbeitern mussten beim Bau Sauerstoffmasken tragen. Dennoch wurde in nur fünf Jahren die so genannte Qinghai-Tibet-Trasse gebaut. Große Teile der Strecke liegen auf Dauerfrostboden und in extremen Höhen. Bislang galt darum eine Eisenbahnverbindung nach Tibet als unmöglich.

Doch Chinas Führung hat mal wieder die Natur bezwungen. Das Mammutprojekt wird gern mit dem Bau der chinesischen Mauer oder dem ersten Chinesen im All verglichen. Oder mit dem soeben fertig gestellten Drei-Schluchten-Damm, dem größten Wasserkraftwerk der Welt.

Entsprechend jubelt die chinesische Propaganda die neue Bahnlinie hoch. Die Tibet-Linie sei ein „nie dagewesener Triumph der Menschheit“ und „eine beispiellose Heldentat“, hatte Staats- und Parteichef Hu Jintao bei der Verlegung des letzten Gleises erklärt. Schon Mao Tsetung hatte in den 50er Jahren von einem Tibet-Express geträumt, seine Ingenieure waren aber später an den rauen Bedingungen gescheitert.

Der Triumph des neuen China über das tibetische Hochland wird nicht zufällig am 1. Juli gefeiert – es ist der 85. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas. Und der ist die ferne Provinz, Heimat des ins Exil geflohenen Dalai Lama, schon lange ein Dorn im Auge ist. 1951 besetzten Maos Truppen Tibet. Und Hu Jintao war es, der als Parteichef in Lhasa Anfang der 90er-Jahre mit harter Hand durchgriff und Proteste blutig niederschlagen ließ.

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