Zum Rapport einbestellt
Italiens Finanzaufsicht knöpft sich Ratingriesen vor

Die Politik macht ernst mit ihren wüsten Drohungen gegen Ratingagenturen: In Italien müssen erstmals Vertreter von großen Agenturen vor der Börsenaufsicht erklären, wie sie zu ihren Bewertungen kommen.
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Die italienische Börsenaufsicht Consob nimmt die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's unter die Lupe. Am Freitag müssen sich Spitzenvertreter von Moody's zu ihrer Stellungnahme vom 23. Juni äußern, in der 16 italienische Banken mit einer Herabstufung ihres Ratings gedroht wird, wie italienische Medien am Dienstagabend berichteten. Am Montag hatte die Consob bereits Vertreter der US-Ratingagentur S&P zur Rede gestellt. Der italienischen Finanzaufsicht sei es dabei um die schnelle Kritik von S&P an dem jüngsten Sparpaket der Regierung von Silvio Berlusconi gegangen.

Das Kabinett in Rom hatte am vergangenen Donnerstagabend ein Sparpaket über rund 47 Milliarden Euro beschlossen. Bereits am Freitagnachmittag erklärte S&P das Vorhaben für unzureichend. Laut Medienberichten kritisiert die Consob den frühen Zeitpunkt der Kritik als auch deren „Oberflächlichkeit“. So seien viele Details der Sparmaßnahmen noch gar nicht bekanntgewesen - abgesehen von Indiskretionen der Medien.

„Ich halte die Ratingagenturen schon seit langem für eine große Gefahr wegen ihrer unzähligen Interessenkonflikte, wegen ihrer undurchsichtigen Arbeitsmethoden, wegen unzähliger von ihnen begangener Fehler und weil sie nicht unabhängig sind“, erklärte Consob-Präsident Giuseppe Vegas gegenüber italienischen Medien. Die Consob habe gut daran getan, die Agenturen nach Rom zu bestellen wegen eines „absolut inakzeptablen Verhaltens“, so Vegas.

Mit dem Vorgehen der Consob macht Italien von den erst im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Möglichkeiten zur schärferen Überwachung von Ratingagenturen Gebrauch. Am Montag soll der Fall auf dem Tisch der europäischen Aufsichtsbehörde Esma in Paris landen. Sie war von der EU nach der Finanzkrise zusammen mit der Banken-Aufsicht EBA und der Versicherungsaufsicht Eiopa gegründet worden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte sich unterdessen nach dem harten Moody's-Urteil für Portugal für Konsequenzen stark. Die Herabstufung des hoch verschuldeten Landes sei sachlich nicht begründet, sagte Schäuble und fügte hinzu: „Wir müssen den Einfluss der Rating-Agenturen begrenzen.“ Das Oligopol von Moody's, Fitch und Standard & Poor's müsse gebrochen werden.

Die Bundesregierung sei von der Herabstufung genauso überrascht worden wie viele andere Akteure auch, sagte Schäuble. Portugal sei bei der Umsetzung des von der EU und dem Internationalen Währungsfonds gefordertem Sparpakets auf Kurs und sei dem Zeitplan sogar voraus. Moody's hatte am Dienstag die Kreditwürdigkeit des Landes um vier Stufen auf „Ba2“ heruntergestuft und den Ausblick auf „negativ“ gesetzt. Portugal ist im Frühjahr unter den Rettungsschirm von EU und IWF geschlüpft und bekommt 78 Milliarden Euro über drei Jahre.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • German citizens call for a new class action law suit under RICO against the current US government under Obama, the US Federal Reserve, the US Treasury Department, the 3 major rating agencies (S&P, Moodys, Fitch) and these american banks: BoA, JPMC, Citi, Morgan Stanley


    Focus on
    - criminal collusion
    - deceipt of the general public and allied countries
    - ongoing manipulation in the bond markets, precious metal markets & currencies
    - theft and financial crimes against mankind
    - market manipulation & surpression of oil producing countries world wide
    - manipulation in the futures markets in the US & UK


    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Racketeer_Influenced_and_Corrupt_Organizations_Act

    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Sammelklage

  • Die Ratingagenturen müssen objektiv sein oder bleiben, ansonsten können sie dicht machen. Niemand brauch Gefälligkeitratings, außer unfähige Politiker. Einen schönen Tag.

  • "Die Politik macht ernst mit ihren wüsten Drohungen gegen Ratingagenturen Schäuble und fügte hinzu: „Wir müssen den Einfluss der Rating-Agenturen begrenzen.“ Das Oligopol von Moody's, Fitch und Standard & Poor's müsse gebrochen werden."

    Wie dem auch sei - diese Rating- Agenturen scheinen die einzigen "Pole" zu sein, die gegen die Phrasen der Politiker
    immun sind und wie es ausschaut auch sehr nüchtern in die Zukunft schauen, d.h. die Rettungsschirme und maßlosen Kredite für Griechenland und Portugal usw. finden bald ihr natürliches Ende und dann wird ein Geschrei sein an den Finanzplätzen - und
    prompt wird man nach Schuldigen suchen und rufen, die RatingAgenturen auf die "Scheiterhaufen" . Aber in Wirklichkeit sind die Politiker gescheitert und gehören-
    -wie das Wort schon richtig ausdrückt- selbst auf den Scheiterhaufen.

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