Zum Tod von Nelson Mandela
„Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein“

Einer der größten Revolutionäre des 20. Jahrhunderts ist tot. Der Freiheitskämpfer Nelson Mandela schaffte, was kaum einer für möglich gehalten hatte: Er machte den Apartheitsstaat Südafrika zu einem freien Land.
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KapstadtUnter Kindern fühlte er sich stets besonders wohl. Wie wohl, zeigten die Pressekonferenzen, die Nelson Mandela, damals noch als Präsident von Südafrika, in seinen Amtsjahren oft auf den Stufen vor seinem Kapstädter Amtssitzes abhielt, gleich neben einem stark frequentierten Fußweg.

Für gewöhnlich endete das offizielle Prozedere mit dem jeweiligen Staatsgast immer dann, wenn Mandela am Zaun eine Gruppe von Schülern entdeckte und schnurstracks zum Händeschütteln hinüberlief – seinen Besucher aber auch dessen entsetztes Sicherheitspersonal im Schlepptau. Mit Vorliebe ließ er die begeisterten Schüler bei solchen Anlässen wissen, wie sehr er sich freue, sie treffen zu dürfen. Auch die Frage nach den Berufswünschen, die Mandela stets mit einem wohlwollenden Kopfnicken quittierte, stand ganz obenan.

Vermutlich speist sich Mandelas tiefe Liebe zu Kindern aus seinen einsamen Jahren auf der Sträflingsinsel Robben Island, wo ihm lange Zeit alle Kontaktbesuche verwehrt waren, selbst die Berührung von Kindern. Christo Brand, der damals als Wächter auf der Insel arbeitete, erzählte später wie er Mandela nur ein einziges Mal weinen sah – aus Verzweiflung darüber, dass er seinen von Ehefrau Winnie mitgebrachten kleinen Enkel nicht halten durfte. Mit einem Trick gelang es Brand schließlich doch, dass Mandela das Baby zumindest kurz in den Arm nehmen konnte.

„Er küsste den Kleinen, schmiegte ihn fest an sich – und musste doch gleich wieder von ihm lassen. Tränen liefen ihm übers Gesicht“, erzählt Brand.

Kein Wunder, dass die Journalistin Charlene Smith, die eines von Dutzenden Büchern über Mandela schrieb, zur Erklärung der tiefen Zuneigung seines Landes für Mandela einen Kindervergleich bemüht: „Südafrika war eine Nation misshandelter Kinder“, schreibt sie. „Er kam aus dem Nichts - und liebte uns alle.“

Gestern Abend ist Südafrikas großer Versöhner im Alter von 95 Jahren um 20.50 Uhr südafrikanischer Zeit (19.50 dt. Zeit) in seinem Wohnhaus im Johannesburger Vorort Houghton im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen – der Mann, der 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis saß und dennoch keinen Gedanken an Rache verschwendete. „Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein“, sagte Mandela kurz nach der Freilassung aus der Haft im Februar 1990 - und kleidete sein Lebensmotto damit in Worte. Präsident Jacob Zuma hatte die Todesnachricht um kurz vor Mitternacht im südafrikanischen Fernsehen offiziell bekannt gegeben.

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„Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein“

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Symbol der südafrikanischen Nation

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Unmoderne Tugenden

Kommentare zu " Zum Tod von Nelson Mandela: „Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein“"

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  • Von wem wird hier eigentlich gesprochen?
    Doch nicht etwa von "dem" Nelson M.?

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • „Und OHNE GELD KANN KEIN MENSCH FREI SEIN!!!“ Dies ist im Grundsatz schon richtig zumal Geld eine höhere, wenn auch nicht totale, Entscheidungsfreiheit bedeutet. Aber außer Geld kommt dann noch die Physische Gesundheit für das Freisein, dazu. Und als letztes eine gesunde funktionierende Psyche. Gerade bei Menschen, die Opfer ihrer Gier sind, trotz ihrer liquiden Mittel, ist Freiheit nicht vorhanden. Denn man muss sich fragen worin die Ursache ihrer Gier denn wurzelt. Ganz einfach; sie wurzelt in ihrem pathologischen Geltungsdrang der wiederum nichts anderes ist als Ausdruck großer Minderwertigkeitskomplexe. Sie richten ihr ganzes Handeln also immer danach aus den Nächsten zu beeindrucken. Also lassen sie sich immer vom Nächsten konditionieren. Sie wollen immerzu geliebt und bewundert werden. Dies ist aber alles andere als gelebte Freiheit, die zudem niemals zum Glück führen kann. Und diese Eigenschaften finden sich immer bei denjenigen Menschen, die zu ihrem monetären Reichtum nicht durch können und konstruktiver Leistung gelangt sind. Also entweder durch Erbschaft oder durch Vortäuschung falscher Tatsachen (Scharlatanerie, Betrug...). Sehen sie „Freidenker“, es ist nicht alles Gold was glänzt. Als letzte nicht zu vernachlässigende Lebensqualität kommt noch die zur Verfügung stehende Lebenszeit hinzu. Zugegeben hierin hat keiner eine präzise Gewissheit.

  • Herr Beobachter, dafür hat sich Freidenker aber die Mühe gemacht sein Punkt und seine Meinung hier nieder zu schreiben. Was ist Ihre Meinung ausser belanglose Kommentare über Kommentatoren?

    Überhebliches getue was sie hier zeigen!

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