Zwischen Orient und Okzident
In den Händen der Parlamentarier

In Kuwait verhindert das bunt gemischte Parlament aus Liberalen, Islamisten und Vertretern der führenden Familien den großen wirtschaftlichen Wurf. Denn die Abgeordneten verteidigen die Interessen der Wähler. Und die wollen kurzfristig am Ölboom teilhaben.

KUWAIT. Es kommt schon vor, dass der Emir von Kuwait am Abend in der Diwaniya der Familie Rashid vorbeischaut. Ohne besonderen Schutz, in dem weißen bodenlangen Gewand nicht von anderen kuwaitischen Männern zu unterscheiden, sitzt Scheich Sabah al Ahmad al Sabah dann neben dem Gastgeber Rashid Abdulaziz al Rashid auf der Polsterbank, welche an den Wänden der hohen, feierlichen Halle entlangläuft. Hier erfährt der Mann mit der intellektuell wirkenden Nickelbrille alles, was das Volk denkt. Die abendlichen Treffen in den Diwaniyas sind eine Tradition der kuwaitischen Händlerfamilien, die gerne daran erinnern, dass sie der Sabah-Familie einst als Primus inter Pares die Führung übergeben haben. Doch der erst im Januar an die Macht gelangte Emir weiß eigentlich sehr genau, was das Volk wünscht: Von 2003 bis zu seiner Wahl zum Emir war er Premier und damit in direktem Kontakt mit den streitbaren Parlamentariern des kleinen Golfstaates. Denn Kuwait ist eine konstitutionelle Monarchie und damit eine Ausnahmeerscheinung in der Region.

Scheich Sabah al Ahamad al Sabah verdankt seine Macht sogar in besonderer Weise dem Parlament. Die 50 gewählten Abgeordneten lehnten es ab, nach dem Tod von Scheich Jaber im Januar den schwerkranken Thronprinzen zu inthronisieren. Kurzerhand wurde die Thronfolge verändert – ein Präzedenzfall in Kuwait, der innerhalb einer Woche friedlich geregelt war.

Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite: Das bunt gemischte Parlament aus Liberalen, Islamisten und Vertretern der führenden Familien verhindert den großen wirtschaftlichen Wurf, den Alleinherrscher in anderen Golfstaaten im Handstreich umsetzen. Obwohl der Emir als Reformer gilt, der das Frauenwahlrecht durchsetzte und die Wirtschaft liberalisieren möchte, binden ihm die selbstbewussten Parlamentarier die Hände. Gerade haben sie gegen den Willen der vom Emir eingesetzten Regierung das Wohngeld erhöht. Denn die Abgeordneten wollen wiedergewählt werden und verteidigen daher die Interessen ihrer Wähler. Und die wollen kurzfristig am Ölboom teilhaben.

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