Zyperns Außenminister optimistisch
„Türkei braucht klare EU-Perspektive“

Die Chancen auf eine Vereinigung der geteilten Insel Zypern sind so gut wie nie zuvor. Das hat der zypriotische Außenminister Markos Kyprianou im Handelsblatt-Interview betont. „Ich bin optimistischer, weil es den politischen Willen und die erklärte Bereitschaft zu Einigung auf beiden Seiten gibt“, sagte Kyprianou in Berlin.

BERLIN. „Außerdem ist wichtig, dass diesmal der Verständigungsprozess in Zypern selbst gestartet und nicht eine Lösung von außen aufgedrückt wurde.“ Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich nach einem Gespräch mit seinem Amtskollegen am Mittwochabend ebenfalls optimistisch. Von einer Einigung zwischen Griechen und Türken auf der Insel könnte auch die Wirtschaft profitieren.

Diese Woche hatten sich die im März eingesetzten Arbeitsgruppen der beiden Seiten zum dritten Mal in Nikosia unter Aufsicht der Uno getroffen. Sie bereiten die ab Juni geplanten eigentlichen Verhandlungsrunden über eine Wiedervereinigung der seit dem Einmarsch der türkischen Armee 1974 geteilten Insel vor und identifizieren zunächst sämtliche Streitthemen. Bereits Anfang des Monats hatte Mehmet Ali Talat, der Führer der türkischen Zyprioten betont, dass bis Jahresende eine Einigung gefunden werden könnte.

Kyprianou lobte „positive Signale“ aus Ankara. „Erstmals seit Jahren hat die türkische Regierung anerkannt, dass es überhaupt ein Problem auf Zypern gibt. Bisher hatte es geheißen, dieses Problem sei 1974 gelöst worden. Allein das ist schon mutig von der türkischen Regierung.“ Es wäre jedoch besser, wenn die Türken bei den Gesprächen mit am Tisch sitzen. „Denn schon jetzt ist sie doch ein „ghost negociator“, weil die türkischen Zyprioten nichts ohne Zustimmung aus Ankara entscheiden können.“

Tatsächlich lassen sich Frage wie der Abzug der fast 100 000 Mann starken türkischen Truppen von der Insel nicht ohne die Einbindung der türkischen Regierung klären. Zypern lehnt zudem jede Anerkennung der Türkei als „Garantiemacht“ für die Nordzyprioten ab, weil dies einem Eingreifrecht gleich käme. „Es gibt aber keine Begründung mehr für die türkische Anwesenheit auf der Insel“, betonte der Zypriot. Offen sei zudem die Frage, wie viele der nach 1974 eingewanderten türkischen Siedler im Land bleiben dürften.

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