Japan
Futterleid

G8-Gastgeberland Japan steckt in der Klemme: Wie kaum ein zweites Industrieland ist es vom Lebensmittelimport abhängig. Die derzeitigen Preissteigerungen und Nahrungsmittel-Skandale treffen es deshalb besonders hart.

SHIJIAZHUANG. Der Sicherheitschef der chinesischen Lebensmittelfabrik kommt selbst bis hinter die Gitterstäbe des Haupttors. „Bei uns ist alles TippTopp hygienisch. Sogar ich selbst darf nicht in den Produktionsbereich des Gebäudes hinein, in dem wir für den japanische Markt produzieren“, versichert Wu Luhong. Hinter ihm stöbert ein Hund an staubigen Grünanlagen herum. Die weiß angestrichenen Fabrikgebäude liegen im heißen Sonnenlicht verlassen da. Es ist Mittagszeit.

Normalerweise würden jetzt 800 Arbeiter in die Kantine strömen. Doch die Produktion der Firma Tianyang Frozen Foods steht still. Die Mitarbeiter bleiben zuhause oder haben sich einen anderen Job gesucht. Der Strom von Tiefkühlwaren aus der Großstadt Shijiazhuang im Herzen Chinas nach Japan ist abgerissen – endgültig, wie es scheint. Denn in Japan ist zehn Verbrauchern schlecht geworden, nachdem sie Teigtäschen mit Fleischfüllung von Tianyang gegessen haben. Ein Unbekannter hatte absichtlich Pflanzenschutzmittel in die Spezialität gespritzt. Für die Japaner war sofort klar: Die Chinesen wollen uns vergiften.

Die Japaner und ihre Lebensmittel – keine Nation hat ein so spezielles Verhältnis zu ihrer Nahrung. Die Inselbewohner sind vom Ausland abhängig, aber sie misstrauen ausländischen Waren zutiefst. Jetzt kommen auch noch Preissteigerungen und Engpässe am Weltmarkt für Getreide, Fleisch, Gemüse hinzu. Für den heute auf der Nordinsel Hokkaido beginnenden G8-Gipfel hat der gastgebende Premier Yasuo Fukuda das Thema deshalb weit nach oben auf die Tagesordnungen gesetzt – direkt neben das alles überragende Krisenthema Klimawandel.

Anfang Juni flog Fukuda sogar extra zur Uno-Ernährungskonferenz nach Rom. Die Sitzung endete jedoch ohne Ergebnis. Die Preise für Lebensmittel steigen weiter wöchentlich an. Und den Japanern schwant langsam, dass etwas faul ist in ihrem Sauber-Lebensmittel-Land.

2 000 Kilometer entfernt in Shijiazhuang sucht die Firmenleitung von Tianyang Frozen Food ebenfalls nach faulen Stellen im System. „Wir haben regelmäßige Kontrollen an allen Punkten der Herstellung gemacht“, sagt Sicherheitschef Wu. Mit Überwachungskameras habe er die Produktionsanlagen lückenlos im Blick und habe nachträglich auf den Bändern nichts Verdächtiges gefunden. „Die Waren kamen in versiegelte Kartons“, sagt Wu, „und diese wiederum in Transportcontainer, die erst in Japan wieder geöffnet wurden.“

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