„Ungesunde Situation“
EZB lehnt Sondergelder für irische Banken ab

"Es ist nicht die alleinige Sache der EZB, die irischen Banken zu finanzieren", sagt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Eine spezielle Liquiditätslinie für irische Banken hält er für unangebracht.
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Dublin Jüngst war darüber spekuliert worden, ob die Europäische Zentralbank dem Land mit einer auf die Bedürfnisse der dortigen Geldinstitute zugeschnittenen, längerfristigen Liquiditätslinie unter die Arme greifen könnte. Diese hätte das bestehende Notprogramm für Kapitalhilfen (ELA) der irischen Zentralbank ablösen können.

Die Probleme der heimischen Banken hatten Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm EFSF gezwungen, der nach den Griechenland-Hilfen von EU und IWF aufgespannt wurde. Die Ergebnisse von Banken-Stresstests ergaben, dass die irische Bankenbranche zusätzliche 24 Milliarden Euro braucht. Stark machte in dem Interview deutlich, dass auch das auf mittlerweile fast 70 Milliarden Euro angeschwollene irische ELA-Programm nicht "auf Dauer" angelegt sei: "Ein Notfall kann nicht permanent gelten - nicht über Jahre".

Die irischen Banken hängen bei der kurzfristigen Liquiditätsversorgung praktisch am Tropf der EZB, da sie am Interbankenmarkt wegen einer Vertrauenskrise praktisch kein Geld mehr erhalten. Stark verwies in der Zeitung "Irish Independent" darauf, dass die Währungshüter in Frankfurt den Banken auf der Grünen Insel Geld in einem Umfang zur Verfügung stellen, der fast an die gesamte Wirtschaftsleistung Irlands heranreicht.

Für Stark ist dies "eine ungesunde Situation". Auch wenn sich die EZB nicht auf eine zusätzliche mittelfristige Liquiditätszufuhr für Irland durchringen konnte, so hat sie dem Land dennoch Konzessionen gemacht: Irische Staatsanleihen werden von der EZB weiterhin als Sicherheit akzeptiert, unabhängig von der Bewertung durch Ratingagenturen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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