1,4 Prozent
IWF verteidigt niedrige Wachstumsprognose

Der Währungsfonds hält an seiner Einschätzung fest, dass die US-Krise auch deutlich auf den Euro-Raum übergreifen wird, Europa sei „nicht immun gegen Ansteckung“. Trotzdem werden die Experten in ihren Empfehlungen an die Europäische Zentralbank vorsichtiger.

FRANKFURT. Der Internationale Währungsfonds (IWF) tritt der Kritik entgegen, seine Prognosen für den Euro- Raum seien zu pessimistisch. Mit 1,4 Prozent Wachstum in diesem und 1,2 Prozent im nächsten Jahr hat der IWF die niedrigsten Wachstumsschätzungen aller internationalen Organisationen vorgelegt. Die Europäische Zentralbank hat im März ein Wachstum von 1,7 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im nächsten Jahr vorhergesagt.

Der Europa-Direktor des Fonds, Michael Deppler, sagte auf einer Pressekonferenz in Frankfurt, die Annahmen des IWF darüber, wie stark die Finanzmarktkrise und die Wachstumsabschwächung in den USA auf Europa durchwirken würden, seien nicht pessimistisch. „Wir haben angenommen, dass die Wachstumsabschwächung in den USA zu 40 bis 50 Prozent auf Europa durchwirkt", sagte Deppler. Das entspreche dem Durchschnitt der Erfahrungen in der Vergangenheit. „Wenn wir die Wachstumsabschwächung nach dem Platzen der New-Economy-Blase zu Anfang des Jahrtausends zum Maßstab genommen hätten, fiele die Wachstumsabschwächung in Europa viel stärker aus“, sagte Deppler, der in wenigen Wochen in den Ruhestand geht und noch keinen designierten Nachfolger hat. Europa sei widerstandsfähig, aber nicht immun gegen die Ansteckung mit Konjunkturproblemen aus den USA. „Diese Meinung, Europa sei super-widerstandsfähig, scheint mir nicht vernünftig zu sein“, betonte Deppler.

Dennoch wird der IWF im Hinblick auf seine Empfehlung an die Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend unsicher. Noch vor einem Monat, als der IWF seinen Weltwirtschaftsausblick vorlegte, hieß es, die EZB habe Raum für geldpolitische Lockerung. Im „Wirtschaftsausblick für Europa“, den der IWF am Montag auf Basis der gleichen Daten und Prognosen vorlegte, heißt es dagegen vorsichtiger: „Wenn die Inflationserwartungen wie erwartet gut verankert bleiben und die Indikatoren die Wachstumsabschwächung bestätigen, wird es zunehmend Raum für eine geldpolitische Lockerung geben“. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte Deppler dazu in der Pressekonferenz, während er sich im Interview mit dem Handelsblatt etwas offener gab. „Ob ich schon beim nächsten Mal für eine Zinssenkung wäre, bin ich nicht sicher“, sagte er auf die Frage, wie er im EZB-Rat abstimmen würde, wenn er dort einen Sitz hätte. „Aber im Laufe der nächsten Monate wird das sicher ein Thema.“

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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