600 Milliarden Euro
Merkel hat Deutschland erpressbar gemacht

Im Abwehrkampf gegen Euro-Bonds kann die Kanzlerin den Befürwortern einer Vergemeinschaftung von Schulden wenig entgegen setzen - weil sich Deutschland durch gewaltige finanzielle Zusagen in eine Falle begeben hat.
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Die Schweizer Großbank Credit Suisse kommt in einer ausführlichen Analyse der deutschen Verhandlungsposition bei der Euro-Rettung zu dem Ergebnis, dass Deutschland von den Krisenländern erpressbar ist. Die zweigleisige Argumentation lautet so: Einerseits profitiert die deutsche Wirtschaft stark von der Währungsunion. Andererseits hat Deutschland bereits extrem viel Geld in die Euro-Rettung gesteckt oder zugesagt.

Dieses Geld droht im Extremfall, bei einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und einem Zerfall der Währungsunion, verloren gehen, heißt es in der Analyse, die das schweizerische Institut jetzt veröffentlichte.

Die Credit-Suisse-Experten beziffern das potenzielle direkte und indirekte finanzielle Engagement Deutschlands auf insgesamt 600 Milliarden Euro - das entspricht immerhin einem Viertel der gesamten deutschen Jahreswirtschaftsleistung.

Die größte Posten sind dabei die Garantien für den Rettungsfonds EFSF von maximal 211 Milliarden Euro, der deutsche Kapitalanteil am Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM von 190 Milliarden Euro und der deutsche Anteil an den sogenannten Target-Verbindlichkeiten der Krisenländer gegenüber der Europäischen Zentralbank von 125 Milliarden Euro.

Wenn bei der Rettung Griechenlands und der Euro-Zone alles gut gehe, werden diese Risiken nur zu einem geringen Teil Geld kosten, urteilt die Bank. Aber wenn es schief geht gebe es sehr hohe Verluste.

Daher müsse die Bundesregierung alles unternehmen, um die Finanzkrise einzugrenzen, ohne ihre Verhandlungsposition noch weiter zu schwächen.

„Deutschland hat einen großen Anreiz, seine Erpressbarkeit nicht zu offensichtlich werden zu lassen“, schreiben die Experten. Denn ein zu großzügiger Umgang mit Griechenland könnte Begehrlichkeiten in anderen Krisenländern wie Spanien, Portugal oder auch Italien wecken.

Andererseits würde ein Austritt Griechenlands wohl Kapitalflucht in anderen Krisenländern auslösen, so dass Deutschland sein schon sehr hohes Rettungsengagement noch steigern müsste.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " 600 Milliarden Euro: Merkel hat Deutschland erpressbar gemacht"

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  • Genau, das ist auch mein Gedanke. Im Nichtzahlungsfall können diese Politiker auch ihre gerechte Strafe im Knast absitzen.

  • Mein Vorschlag:
    für die 600 Milliarden offenbar veruntreuter Steuergelder (denn sie wussten genau was sie taten...) haften erstmal die verantwortlichen Bundestagsabgeordneten mit ihrem gesamten Privatvermögen. Für die übrigen rund 599 Milliarden müssten wir dann halt neue Staatsanleihen - Zinssatz zur Zeit bei 0.0 Prozent - aufnehmen, die eingebrockte Zeche zahlen, und dann ganz schnell bye-bye EU, hasta-la-vista, baby! Dann fangen wir mit einer neuen starken Währung an, den Schuldenberg abzubezahle., Die in Deutschland verbliebenen Euro-Münzen bekommen Sammlerwert oder kommen in ein Museum, idealerweise gewidmet "Der Dummheit der Eliten!" Die ganz besonders für die Veruntreuung der 600 Milliarden verantwortlichen Politiker/innen müssen sich vor Gericht verantworten, gegebenenfalls dann zu verhängende Haftstrafen wären idealerweise vertraglich gesondert vereinbart in osteuropäischen Ländern, z.B. Weißrussland oder der Ukraine, zu verbüßen, damit nicht hier noch hohe Haftkosten für diese Bankrotteure anfallen.
    Wetten, dass bei einer solchen Vorgehensweise mindestens in den nächsten 100 Jahren kein einziger Bundestagsabgeordneter auch nur einen einzigen Pfennig (..ja, den gibt's dann wieder!!!) für Europa veruntreut???

  • Doch die Partei der Vernunft kann man wählen!!!
    Einfach mal googeln.

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