Allianz-Chefvolkswirt
„Direkte Bankhilfen aus dem Rettungsschirm wären sinnvoll“

Der Chefvolkswirt der Allianz-Versicherung, Michael Heise, verteidigt die Rekapitalisierung der spanischen Banken. Allerdings kritisiert er den Umweg über den Staat - und plädiert für direkte Hilfen.
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KönigsteinAllianz-Chefvolkswirt Michael Heise fordert ein entschlossenes politisches Handeln angesichts der Euro-Krise. "Wir hatten bisher eher eine Salamitaktik der Politik bei der Eurorettung. Das überzeugt die Märkte nicht", mahnt Heise auf einer Konferenz in Königstein bei Frankfurt.

Als wichtige Sofortmaßnahme sieht er eine Rekapitalisierung von Banken in Europa durch die europäischen Rettungsschirme EFSF und ESM. "Die Banken in Spanien zu rekapitalisieren war richtig", betont er, " und wenn die Märkte das negativ aufnehmen, muss man das auch einfach mal so hinnehmen." Sinnvoller wäre es aber gewesen, den Banken direkt zu helfen und nicht den Umweg über den spanischen Staat zu nehmen. Solche direkten Hilfen müssten dann aber auch auf europäischer Ebene überwacht werden, beispielsweise durch die europäische Bankenaufsicht EBA. Dies könnte ein sinnvoller Schnelleinstieg in eine Bankenunion sein. Denn eins sei klar: "Wer das Geld gibt, muss auch entscheiden können wie seine Verwendung überwacht wird."

Eine weitere kurzfristige Maßnahme gegen die Panik an den Märkten könnte eine teilweise Absicherung von Staatsanleihen durch den europäischen Rettungsschirm sein. Ein Risikoschutz von beispielsweise 30 Prozent könnte helfen, die Zinsen deutlich zu senken. Flankiert werden sollten diese Maßnahmen von einem weiteren Liquiditätsprogramm der EZB für die Banken.

Langfristig, so Heise, führe aber kein Weg an einem europäischen Wachstumsprogramm vorbei. "Die EU sollte bei einem solchen Wachstumsprogramm einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit", mahnt Heise. Der nächste Euro-Gipfel werde von sehr hohen Erwartungen begleitet. "Ich hoffe sehr, dass dort zu diesen Punkten etwas beschlossen wird."

Unterstützt in seinen Mahnungen für entschlossenes politisches Handeln wurde er von Stefan Krause, Finanzchef der Deutschen Bank. "Noch nie in seiner 13jährigen Geschichte war die Einheit des Euro-Währungsraums so ungewiss und damit auch die Handlungsgrundlage für jeden von uns", sagte Krause. Er sprach von einem "lodernden Brandherd Europa", in dem die Volatilität mittlerweile der neue Normalzustand sei. Seine Botschaft an die Politik: "damit wieder positive Wachstumsraten erzielt werden, brauchen wir Vertrauen." Das sei wichtiger als die Frage, ob Haushaltsdisziplin oder der Förderung des Wirtschaftswachstums Vorrang gegeben werde.

"Auch wenn es manche anders zu sehen scheinen: Deutschland ist nicht so stark, dass es alle Probleme Europas schultern kann", betont Heise. Auch deswegen müssten die Strukturreformen in der EU und in den Krisenländern weiter forciert werden.

Angesichts der Schicksalswahlen in Griechenland warnt Heise vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Das hätte unabsehbare ökonomische Folgen. Aber er ist zuversichtlich, dass unabhängig vom Wahlausgang in Athen, die Verantwortlichen in Griechenland einsehen würden, dass ein Austritt aus dem Euro für das Land ein massiver Nachteil wäre und einen noch viel schärferen Sparkurs notwendig machen würde. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus dem Euro hält Krause daher für gering. "Es wird lange dauern, bis Griechenland auf einen Weg der Prosperität zurückfindet", fügte er hinzu, "aber das Land ist auf dem richtigen Weg."

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Allianz-Chefvolkswirt: „Direkte Bankhilfen aus dem Rettungsschirm wären sinnvoll“"

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  • Weshalb ist die Forderung: dem deutschen Steuerzahler sein Geld zu nehmen, es den Banken, seinen Anteilseignern und Managern zu geben, nicht strafrechtlich relevant? Weshalb kann man Michael Heise für diese Form des Lobbyismus nicht anklagen, veruteilen und mit einer Haftstrafe belegen?

  • Die Politiker gehören zum Kartell.

  • Dieser Artikel ist ja klar verständlich. Allianz gleich Deutsche Bank, genug verzockt und auch in Spanien wie immer nicht ganz untätig. Nicht für umsonst spricht man in der Finanzbranche von Bankstern (kriminelle Bänker) wozu auch die Allianz gezählt werden muss.
    Wie lange wollen denn die Herren Politiker dieses Kartell des Verbrechens noch schützen?

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