Analysten haben mit geringerem Rückgang gerechnet
ZEW-Indikator unerwartet schwach

Ener Umfrage unter Finanzmarktexperten zufolge haben sich die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland sich im August etwas verschlechtert.

HB BERLIN. Der Saldo der Konjunkturerwartungen in der monatlichen Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Analysten und institutionellen Anlegern sank auf 45,3 von 48,4 Punkten, wie das ZEW am Dienstag mitteilte. „Die Einschätzungen der Finanzanalysten gehen einher mit Befürchtungen, dass sich die Dynamik der Konjunkturerholung hier zu Lande abschwächt, weil die Unsicherheiten über die Entwicklung der Weltkonjunktur und des Ölpreises zugenommen haben“, erklärte ZEW-Chef Wolfgang Franz.

Besonders im hohen Ölpreis sahen viele Bankenvolkswirte Grund zur Sorge. „Sollte der Ölpreis noch weiter steigen, ist das Risiko groß, dass die Konjunkturerholung abrupt abbricht“, sagte Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem leichten Rückgang des Indikators auf 47,5 Zähler gerechnet. Der Indikator für die Euro-Zone sank um 3,5 Zähler auf 52,0 Punkte.

Die gegenwärtige Lage in Deutschland bewerteten die Finanzmärkte hingegen etwas optimistischer: der entsprechende Index stieg auf minus 65,2 von minus 69,3 Punkten im Juli. Die Volkswirte hatten hier im Schnitt einen nahezu unveränderten Wert erwartet. ZEW-Chef Franz erklärte, vor allem jüngste Konjunkturzahlen aus den USA hätten die Sorge genährt, dass sich die Weltwirtschaft und damit die Nachfrage nach deutschen Exporten bald abschwächen könnte. „Zudem reduziert der hohe Ölpreis die Kaufkraft der Konsumenten und belastet die Binnennachfrage“, erklärte Franz. Daher könne die heimische Nachfrage kaum schwächere Exporte ausgleichen.

Auch im Frühjahr hatte allein der starke Export für die Beschleunigung des deutschen Wirtschaftswachstums auf 0,5 % im Quartalsvergleich gesorgt. Wie die Bundesregierung erwarten die meisten Ökonomen ein Wachstum von 1,5 bis 2,0 % in diesem Jahr. Allerdings befürchten immer mehr Experten, dass die Konjunkturerholung bereits den Höhepunkt überschritten hat und nun mit langsamerem Tempo verläuft. „Der Abwärtstrend beim ZEW-Indikator ist weiter intakt und deutet auf eine Abschwächung der Konjunktur in Deutschland im zweiten Halbjahr hin“, sagte Rees. Andere Volkswirte warnten davor, das ZEW-Barometer überzubewerten. „Wir werden trotz allem ein Wachstum im zweiten Halbjahr sehen, dass nur geringfügig unter dem ersten Halbjahr liegen dürfte“, sagte Gerd Hassel von der ING-BHF-Bank.

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