Appell an die EZB
Irland braucht dringend mehr Zeit für Kredit-Tilgung

Irland braucht den Aufschub der Hilfsgelder-Rückzahlungen dringend. Ein Scheitern der Verhandlungen über die spätere Zahlung könne „katastrophale Auswirkungen“ haben, so Irlands Vize-Ministerpräsident Gilmore.
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DublinIrland hat in dramatischen Worten vor einem Scheitern der Gespräche über einen Aufschub bei der Rückzahlung seiner Hilfskredite gewarnt. Sollten die Verhandlungen nicht erfolgreich beendet werden, könnte dies "katastrophale Auswirkungen" haben, wollte Vize-Ministerpräsident Eamon Gilmore laut Redetext am Sonntag auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Chile sagen. Gilmore forderte demnach auf dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman van Rompuy eine "angemessene Einigung".

Der Europäische Rettungsfonds ESM hat Irland wie auch Portugal mehr Zeit in Aussicht gestellt. EU-Kreisen zufolge lehnt der EZB-Rat jedoch die bevorzugte Lösung Irlands als unzulässige Staatsfinanzierung ab. Diese sieht die Umwandlung eines Schuldscheins, der zur Stützung der Anglo Irish Bank ausgegeben worden war, in langfristige Staatsanleihen vor.

"Es handelt sich um eine Grundsatzfrage", hieß es in den Kreisen. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen. Nun sei Irland am Zug und müsse einen neuen Vorschlag auf den Tisch legen. "Es gibt Dinge, die geändert werden müssen, und Dinge, über die man sich noch verständigen muss", sagte Verkehrsminister Leo Varadkar dem Fernsehsender RTE. Irland sei weiterhin zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen werde.

Irland hat bisher 21,7 Milliarden Euro vom ESM und weitere zwölf Milliarden Euro vom EFSF erhalten. Die Kredite aus dem EFSF haben eine durchschnittliche Laufzeit von fast zehn Jahren. Ziel des Inselstaates ist es, zu vermeiden, bis 2023 jährlich 3,1 Milliarden Euro aufbringen zu müssen, um den für Anglo Irish aufgelegten Schuldschein zu bedienen. Bis März soll eine Lösung gefunden sein. Dann ist die nächste Zahlung fällig. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Land in einem komplizierten Deal die Begleichung der Rate verschoben.

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  • Unglaublich erst drucken sich die Iren mehr als 50 Milliarden Euro für ihre Banken und jetzt möchten sie das Geld lieber gar nicht zurückzahlen wenn möglich. Mann sollte sich in Irland lieber mehr bemühen seine Reformziele zu erreichen.

    Stattdessen lassen sich beispielsweise die Ärzte in Ireland in öffentlichen Einrichtung immer noch fürstlich entlohnen. Irland hat hier die höchsten Löhne in ganz Europa, doppelt so hoch wie in Großbritannien.

  • Der keltische Tiger ist als Bettvorleger gelandet. Nun läuft er heulend zum IWF, der EU und Mutti Merkel und bettelt um „Solidarität“. Und das, obwohl eine wahnhafte neoliberale Ideologie ihm, als Dank für die EU-Privilegien, bisher und auch weiterhin, erlaubt, ein wahrhaft parasitäres Steuersystem zu etablieren. Welch zutiefst perverse Handlung.

    Dieses parasitäre Steuersystem geht voll auf Kosten eben der jahrelang schwer geschädigten Steuerzahler, aus deren üppigen Subventionen man es überhaupt erst finanzieren konnte. Ca. 60 Milliarden EU-Subventionen, hat das kleine Land, mit seinen nur 4,5 Millionen Einwohnern, seit 1973 erhalten hat. Inflationsbereinigt sind das über 100 Milliarden.

    Eine nachhaltiges Wirtschaftsmodel ist dabei nicht entstanden. Im Gegenteil – die dadurch entstandene bequeme Schmarotzermentalität hat eben das verhindert.

    Hinzu kamen weitere 85 Milliarden Hilfen von IWF und EU. Die im Artikel genannten 21,7 Milliarden Euro vom ESM habe ich noch nicht auf dem Schirm. Sie müssen in der Wirtschaftspresse irgendwo verschämt im Kleingedruckten gestanden haben. Vielleicht kann mich da jemand aufklären.

    Wie dem auch sei, das Geld ist mit großer Wahrscheinlichkeit verloren. Trotz Jubelmeldungen über den Erfolg der Austeritätspolitik. In Irland, ebenso wie in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland geht diese Politik voll in die Hosen. „Irland braucht dringend mehr Zeit für Kredit-Tilgung“ – nämlich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

    Die Bevölkerungsmehrheit leidet fürchterlich und die jungen Menschen müssen mangels Perspektive wieder auswandern. Nur die Mainstreamökonomie und die ihr hörigen Politiker wollen das nicht wahrhaben. Weiterhin erzählen sie den Dummen im Land das Märchen vom erfolgreichen Musterknaben. Für den Erhalt dieses Lügengebildes braucht Eamon Gilmore weiterhin dringend das Geld es ehrlichen Steuerzahlers.

  • Würden private Schuldner wie im Fall Irland sich 31 Mrd EUR leihen, obwohl sie wissen, dass sie das Geld schon im ersten Jahr der 10 jährig vereinbarten Tilgung nicht zahlen können, würde man von strafrechtlicher Betrugsabsicht, da Vorsatz zu unterstellen ist, sprechen. Im Fall der Politiker ist eher Dämlichkeit und eine gehörige Portion Chupze zu unterstellen. In der seit Ausbruch oder öffentlich gemachter Transparenz der Schuldenkrise mit zunehmender Täuschung der Öffentlichkeit beschäftigter EURO Und EU Bürokraten, ist man eifrig bemüht, das Problem unter den Teppich zu kehren. Das heisst aber nicht, dass damit auch nur ein Problem gelöst ist. Die Täuschungsmanöver werden allen irgendwann ganz böse auf die Füsse fallen.

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